Intensiv, doch ausbaufähig

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Birgit Birnbach schafft es offen die Schwierigkeiten mit ADHS zu beschreiben, worunter sowohl Mutter als auch der Sohn leidet, ohne die Diagnose explizit zu nennen. Die Autorin schafft eine Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Intensiv wird das Ringen von Oz mit dem Problem, weswegen er einen Brief aus der Schule mit nachhause bekommt, beschrieben. Birnbacher schafft es, dass man mitfiebert, ob die Gründe für das Ereignis noch rechzeitig an die Oberfläche kommen. Die Schwierigkeiten der Mutter, Oz während des Unwetters wieder zu sich zu lotsen, hätte ruhig dramatischer ausgebaut werden können. Was mich persönlich gestört hat, war, dass ein kleiner 9jähriger Junge, natürlich klüger als die Erwachsenen, eine ungewöhnliche Lösung für das Problem findet - auf die dann die Erwachsenen sofort einsteigen. Das finde ich total unrealistisch - obwohl ich auf der anderen Seite natürlich verstehen kann, dass man ein Buch mit Zuversicht und Hoffnung und in diesem Fall mit einem Happy End schließt.
Aus persönlichen Gründen weiß ich jedoch, dass dies in der Realität mit ADHS eben nicht der Fall ist. Die Geschichte wäre noch ausbaufähig. Bis auf das Ende finde ich es lebensnah und eindringlich beschrieben, deshalb auf jeden Fall eine Leseempfehlung von mir.