Mutter und Sohn

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odenwald Avatar

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Zuerst habe ich gedacht, der Roman ist eine Mutter-Sohn-Beziehungsgeschichte mit leichter „krankheitsbedingter“ Verschiebung. Aber er ist ja viel mehr! Er erklärt nicht, was ADHS ist, wie man damit umgeht, sondern er läßt uns das Leben zweier Personen, von denen eine sicher, die andere vermutlich, ADHS haben, miterleben. Die Sorgfalt, die Oz seiner Mutter gegenüber aufbringt, wenn er ihr versucht etwas „richtig“ zu erklären. Die Reaktionen von Ann, auch in ihrer Kindheit/Jugend, läßt uns erleben, wie „anders“ Menschen manchmal ticken, die mit ADHS „geschlagen“ sind. In nüchterner, schnörkelloser Sprache veranschaulicht Birgit Birnbacher uns die Krankheit, das manchmal so ganz andere Empfinden und Reagieren. Mir haben sich Fragen gestellt, wie beispielsweise: haben die Nicht-Angepassten einen besseren, sinnvolleren, wirksameren Umgang mit unserer Umwelt? Können sich durch „anderes Denken, Fühlen, Reagieren“ Chancen und Möglichkeiten eröffnen, besser fertigzuwerden mit unserer chaotischen, stressigen Welt? Der Roman schafft eine Sogwirkung – man mag ihn vor der letzten Seite, dem letzten Wort nicht aus der Hand legen.