Mutterliebe und flirrende Nerven
In Birgit Birnbachers Roman „Sie wollen uns erzählen“ geht es um den Drittklässler Ozzy. Er hat ADHS und tut sich schwer im Schulalltag. Nachdem er am letzten Schultag vor den Ferien etwas Schlimmes angestellt hat, wünscht er sich auf dem Heimweg heimlich „eine kleine Katastrophe“, die seine Mutter vom Brief seiner Lehrerin ablenken könnte. Und tatsächlich: Als er heimkommt, hat seine ebenfalls nervlich sensible Mutter Ann keine Feier fürs Zeugnis vorbereitet, denn tatsächlich ist etwas passiert: Ozzys Oma Zilly, die in den Bergen lebt, ist aus dem Krankenhaus verschwunden ... Die beiden machen sich auf die Reise, um die Oma zu finden. Dabei kommt auch noch Anns Schwester Nell dazu, zu der Ann seit Jahren kein besonders gutes Verhältnis mehr hat, obwohl sich die Schwestern früher sehr nahe standen.
Hm, was soll ich sagen? Mir fällt die Bewertung dieses Romans einigermaßen schwer.
Den Anfang fand ich ziemlich stark, konnte mich gut in Ozzy hineinversetzen. Bei Ann fand ich vor allem die Einblicke in ihre Kindheit interessant; damals gab es noch keine Diagnosen wie heute, aber Ann spürt als Mutter, dass ihr Kind ihr sehr ähnlich ist.
„Diese Unrast haben die Mädchen auch gehabt.
Zwei Bubentöchter hab ich da.
Was waren diese Mädchen wild. Immer so viel wilder als alle anderen. Könnt ihr nicht stillsitzen, wie die Buben in der Kirche? Immer müssen sie lauter, aufgeweckter sein als andere, immer verspüren sie zu allem mehr Drang. Zäzilia und Hans Haag sind trotzdem nie auf die Idee gekommen, die Mädchen deswegen anschauen zu lassen. Vielleicht, weil es rundherum so viele Kranke gab, Nervenkranke. Das ganze Innergebirg war ja voll von lauter Nervenkranken. Durch die zwei großen Institutionen, die Nervenheilanstalt in St. Veit und in Schernberg, zwischen Schwarzach, St. Veit und Goldegg, kam auf jeden Einwohner mindestens ein Nervenkranker, die Nervenkrankheiten der gewöhnlichen Einwohner und die Nervenkrankheiten der gewöhnlichen Krankenhauspatienten noch gar nicht mitgezählt.
Jedenfalls waren es genug Nervenkranke, die man vom Einkaufen und vom Spazierengehen kannte, und Ann und Nell konnten als Kinder nie etwas Schlimmes daran sehen, verrückt zu sein.“
Leider fand ich den Schreibstil insgesamt, auch die fehlende wörtliche Rede, immer anstrengender zu lesen im Laufe des Buches. Auch die Handlung konnte mich nicht ganz überzeugen. Ich hatte wahrscheinlich andere Erwartungen an das Buch. Final vergebe ich 3 von 5 Sternen für einen interessanten Plot, dessen Umsetzung mich nicht wirklich packen konnte.
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Hm, was soll ich sagen? Mir fällt die Bewertung dieses Romans einigermaßen schwer.
Den Anfang fand ich ziemlich stark, konnte mich gut in Ozzy hineinversetzen. Bei Ann fand ich vor allem die Einblicke in ihre Kindheit interessant; damals gab es noch keine Diagnosen wie heute, aber Ann spürt als Mutter, dass ihr Kind ihr sehr ähnlich ist.
„Diese Unrast haben die Mädchen auch gehabt.
Zwei Bubentöchter hab ich da.
Was waren diese Mädchen wild. Immer so viel wilder als alle anderen. Könnt ihr nicht stillsitzen, wie die Buben in der Kirche? Immer müssen sie lauter, aufgeweckter sein als andere, immer verspüren sie zu allem mehr Drang. Zäzilia und Hans Haag sind trotzdem nie auf die Idee gekommen, die Mädchen deswegen anschauen zu lassen. Vielleicht, weil es rundherum so viele Kranke gab, Nervenkranke. Das ganze Innergebirg war ja voll von lauter Nervenkranken. Durch die zwei großen Institutionen, die Nervenheilanstalt in St. Veit und in Schernberg, zwischen Schwarzach, St. Veit und Goldegg, kam auf jeden Einwohner mindestens ein Nervenkranker, die Nervenkrankheiten der gewöhnlichen Einwohner und die Nervenkrankheiten der gewöhnlichen Krankenhauspatienten noch gar nicht mitgezählt.
Jedenfalls waren es genug Nervenkranke, die man vom Einkaufen und vom Spazierengehen kannte, und Ann und Nell konnten als Kinder nie etwas Schlimmes daran sehen, verrückt zu sein.“
Leider fand ich den Schreibstil insgesamt, auch die fehlende wörtliche Rede, immer anstrengender zu lesen im Laufe des Buches. Auch die Handlung konnte mich nicht ganz überzeugen. Ich hatte wahrscheinlich andere Erwartungen an das Buch. Final vergebe ich 3 von 5 Sternen für einen interessanten Plot, dessen Umsetzung mich nicht wirklich packen konnte.
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚