Zwischen Überforderung und bedingungsloser Liebe

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„Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher ist ein Roman, der die Vielfalt unseres Denkens, unserer Emotionen und unserer Eigenarten aufzeigt. Im Mittelpunkt steht Oz, ein Junge, der mit ADHS lebt und dadurch in der Schule und im Alltag immer wieder aneckt. Sein seine Impulsivität und seine Eigenheiten machen es seiner Umwelt und seinen Eltern nicht leicht, ihn wirklich zu verstehen.

Besonders stark fand ich die Figur der Ann. Sie kämpft gefühlt ständig: gegen Vorurteile, gegen Zuschreibungen von außen und auch mit sich selbst. Man merkt, wie sehr sie ihren Sohn schützen will – und gleichzeitig, wie überfordert sie dabei oft ist. Genau diese Ambivalenz macht sie unglaublich menschlich. Ich konnte mit beiden Figuren richtig gut mitfühlen.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als die Zilly-Oma plötzlich verschwindet und gefühlt alles gleichzeitig ins Wanken gerät: Schule, Familie, das ganze bisherige Leben. Ab da wird es stellenweise ziemlich turbulent, fast schon chaotisch – aber genau das passt auch zur Geschichte und zu Oz’ Wahrnehmung der Welt.

Was mir besonders gefallen hat: ADHS steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt, wie man vielleicht erwarten würde. Vielmehr geht es um Familie, um Zusammenhalt und um die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Und die ist – trotz aller Schwierigkeiten – letztlich sehr stark und berührend.

Birnbacher erzählt das Ganze mit viel Feingefühl und einem angenehm trockenen Humor. Es gibt viele kleine Momente, die zeigen, wie anstrengend, schräg, aber eben auch schön das Leben sein kann – gerade in den Details, die man sonst leicht übersieht.

Auch das Cover ist mir positiv aufgefallen: Dieser Blick in einen lichtdurchfluteten Wald, zusammengesetzt aus vielen kleinen Farbpunkten, passt wunderbar zur Geschichte. Es spiegelt auf schöne Weise wider, dass auch Menschen aus vielen Facetten bestehen und Vielfalt etwas ganz Natürliches ist.