Viel tiefer, als das Cover vermuten lässt

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anjarie Avatar

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Bei Silent Whispers hat mich schon die Leseprobe ziemlich überrascht. Das Cover sieht für mich erst einmal nach einer typischen RomCom aus. Und dann steckt dahinter eine Geschichte, die direkt mit ziemlich viel psychologischem Tiefgang startet. Gerade am Anfang konnte ich richtig gut in Giulia und Scott abtauchen. Die Charaktere standen für mich so sehr im Vordergrund, dass die eigentliche Handlung fast nebensächlich wurde.

Zur Mitte hin hat das Buch für mich dann leider ein bisschen nachgelassen. Hier bekam es zeitweise doch mehr diese typische Kleinstadt-RomCom-Atmosphäre, die ich nach dem starken Anfang so eigentlich gar nicht erwartet hatte. Zum Ende hin wurde die Charakterzeichnung aber wieder deutlich stärker und gerade dadurch hat sich auch das Ende für mich glaubwürdig angefühlt.

Sehr gut gefallen hat mir, wie mit den traumatischen Themen umgegangen wurde. Manche Dinge, die hier angesprochen werden, sind wirklich schwer zu verdauen. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass sie nur für möglichst viel Drama eingebaut wurden. Sie werden vorsichtig behandelt und gleichzeitig nicht beschönigt.

Spannend fand ich dabei auch den Unterschied zwischen Giulia und Scott. Scotts Trauma wirkte auf mich im Vergleich fast ein wenig „hausgemacht“. Nicht in dem Sinne, dass es deshalb weniger schlimm wäre, sondern weil er deutlich mehr Kontrolle und Handlungsspielraum bei seinen Reaktionen hatte. Und genau das wird im Buch auch schön thematisiert.

Bei Giulia sah das für mich ganz anders aus. Sie war ihrer Situation viel stärker ausgeliefert und hatte dadurch für mich eigentlich noch mehr Potenzial für Entwicklung. Deshalb hätte ich mir gerade zum Ende hin gewünscht, dass der Fokus noch einmal stärker auf ihr liegt. Da ist für mich ein bisschen etwas liegen geblieben.

Etwas überrascht war ich außerdem, als im letzten Drittel plötzlich Harvey als dritte Erzählperspektive dazukam. Mit ihm hatte ich tatsächlich meine Schwierigkeiten. Bis dahin kannte man ihn nur von außen und er wurde dabei schon ziemlich stereotyp dargestellt. Als ich dann plötzlich in seinem Kopf gelandet bin, hat es bei mir nicht so richtig funktioniert. Ich konnte zu ihm einfach nicht die gleiche Verbindung aufbauen wie zu Giulia und Scott.

Die anderen Nebenfiguren mochte ich dagegen sehr gerne. Sie hatten genug Tiefe, um sich nicht wie reine Platzhalter anzufühlen, drängten sich aber auch nicht so sehr in den Vordergrund, dass sie den eigentlichen Hauptfiguren das Rampenlicht gestohlen hätten.

Insgesamt hat mir Silent Whispers wirklich gut gefallen. Es war atmosphärisch dicht, hatte psychologischen Tiefgang und gleichzeitig genug Romance. Genau diese Mischung mag ich einfach sehr. Der starke Anfang hat bei mir zwar Erwartungen geweckt, die der Mittelteil nicht ganz halten konnte, aber gerade zum Ende hin hat mich das Buch wieder abgeholt.