Wenn Vertrauen stärker werden muss als die Vergangenheit

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jessica41 Avatar

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„Silent Whispers – Wie Stimmen im Wind“ von Sophia Como ist eine sehr emotionale Romance, die sich nicht nur auf die Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen konzentriert.

Hinter der romantischen Handlung stehen Vergangenheit, Verlust, Geheimnisse, Vertrauen und die schwierige Frage, ob man nach schmerzhaften Erfahrungen überhaupt wieder zulassen kann, dass jemand einem wirklich nahekommt. Sophia Como verbindet dabei eine ruhige, atmosphärische Erzählweise mit emotionalen Momenten und einer Geschichte, die sich Zeit für ihre Figuren nimmt. Ihr Schreibstil ist bildhaft und gefühlvoll, ohne dass die Geschichte für mich ausschließlich von romantischen Szenen lebt. Besonders die Natur und das Farmleben tragen viel zur Stimmung bei und geben dem Roman einen gewissen Rückzugsort-Charakter.

Die Grundidee des Romans hat mir gut gefallen, weil sie auf den ersten Blick wie eine klassische Romance beginnt, sich aber zunehmend mit den persönlichen Geschichten der Figuren beschäftigt.

Giulia befindet sich an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie eigentlich nur eines möchte: Abstand gewinnen und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Durch eine unerwartete Situation verschlägt es sie auf die Farm der Familie Collister. Dort begegnet sie Scott, der ihr zunächst alles andere als offen gegenübersteht. Was als vorübergehender Aufenthalt beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer Situation, die Giulia vor Entscheidungen stellt, mit denen sie eigentlich gar nicht gerechnet hat. Sie muss sich nicht nur mit Scott auseinandersetzen, sondern auch mit ihren eigenen Ängsten und der Frage, ob ein Neuanfang überhaupt möglich ist.

Dabei fand ich interessant, dass das „Ankommen“ im Buch mehrere Bedeutungen bekommt. Es geht nicht nur darum, einen Ort zum Bleiben zu finden. Es geht auch darum, wieder Vertrauen aufzubauen, sich anderen Menschen zu öffnen und irgendwann nicht mehr ständig das Gefühl haben zu müssen, fliehen zu müssen.

Ein großer Pluspunkt für mich war die Erzählung aus drei Perspektiven. Durch Giulias Perspektive bekommt man einen sehr direkten Einblick in ihre Gedanken, Unsicherheiten und Ängste. Man versteht dadurch besser, warum sie bestimmte Entscheidungen trifft und weshalb es ihr so schwerfällt, anderen Menschen zu vertrauen.
Scott bringt eine ganz andere Energie in die Geschichte. Seine Perspektive zeigt, dass auch hinter seiner verschlossenen und teilweise abweisenden Art mehr steckt, als man zunächst vermuten könnte. Dadurch verändert sich mein Blick auf ihn im Laufe des Romans deutlich. Die dritte Perspektive von Harvey empfand ich ebenfalls als interessant, weil sie die Handlung um eine zusätzliche familiäre Ebene erweitert. Dadurch bekommt man Informationen und Eindrücke, die aus Giulia oder Scotts Sicht so nicht möglich wären. Für mich funktionieren die drei Perspektiven deshalb gut, weil sie nicht einfach dieselbe Geschichte dreimal erzählen. Jede Sichtweise bringt etwas Eigenes mit und hilft dabei, die Beziehungen und Konflikte besser zu verstehen. Allerdings braucht man als Leser:in auch die Bereitschaft, sich immer wieder auf eine andere Figur einzulassen. Gerade wenn man stark an Giulia und Scott hängt, können die Wechsel zunächst etwas ungewohnt sein.

Die Romance zwischen Giulia und Scott hat mir besonders deshalb gefallen, weil sie nicht sofort unkompliziert ist. Scott macht es Giulia zunächst nicht leicht. Er wirkt verschlossen und hält deutlich Abstand. Giulia wiederum trägt ihre eigenen Erfahrungen mit sich herum und ist verständlicherweise nicht bereit, jedem sofort zu vertrauen. Dadurch entsteht eine Beziehung, die sich Schritt für Schritt entwickelt.

Giulia empfand ich als eine Figur, deren Entwicklung stark mit dem Thema Vertrauen verbunden ist. Zu Beginn versucht sie vor allem, selbstständig zu bleiben und möglichst wenig von anderen abhängig zu sein. Im Laufe der Geschichte wird jedoch deutlich, dass Stärke nicht zwangsläufig bedeutet, alles alleine bewältigen zu müssen. Für Giulia besteht ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung darin, Hilfe und Nähe überhaupt wieder zuzulassen. Das hat mir gefallen, weil ihre Entwicklung nicht darin besteht, plötzlich ein komplett anderer Mensch zu werden. Vielmehr verändert sich ihre Einstellung zu sich selbst und zu den Menschen um sie herum.

Auch Scott bekommt im Laufe der Handlung mehr Tiefe. Anfangs kann er durchaus schwierig wirken, weil er sehr zurückhaltend und teilweise abweisend ist. Je mehr man über seine Vergangenheit und seine Beweggründe erfährt, desto besser kann man ihn verstehen.
Ich mochte besonders, dass seine Entwicklung nicht nur über seine Beziehung zu Giulia funktioniert. Auch seine eigene Vergangenheit und die Beziehungen innerhalb der Familie spielen dabei eine Rolle.

Die Geschichte hat bei mir vor allem Nachdenklichkeit, Mitgefühl, Hoffnung und manchmal auch Frustration ausgelöst.
Ich habe mich beim Lesen häufiger gefragt, wie schwer es eigentlich sein kann, jemandem wieder zu vertrauen, wenn man in der Vergangenheit gelernt hat, dass Nähe auch mit Schmerz verbunden sein kann.
Gleichzeitig vermittelt das Buch die schöne Idee, dass ein Neuanfang nicht unbedingt bedeutet, alles Vergangene auszulöschen. Man kann seine Vergangenheit mitnehmen und trotzdem versuchen, etwas Neues aufzubauen.

Ich würde das Buch vor allem allen empfehlen, die emotionale Romance mit Tiefgang, Slow-Burn-Elemente, Familiengeschichten und Charakterentwicklung mögen. Wer gerne mehrere Perspektiven liest und nicht nur die romantische Beziehung, sondern auch die persönlichen Geschichten hinter den Figuren kennenlernen möchte, dürfte hier auf seine Kosten kommen. Auch wer die Geschichten über Neuanfänge, Vertrauen und das Überwinden der eigenen Vergangenheit mögen, könnten Freude an dem Buch haben.