Richtige oder falsche Entscheidung?

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Archer findet in seinem Spind einen Brief, der ihm zwei Möglichkeiten bietet, einen Mitschüler vor dem Tod zu retten. Beide Möglichkeiten sind unfassbar und Archer hält den Brief für einen dummen Streich. Ein Fehler! Ein Toter wird gefunden. Und Archer erhält einen weiteren Brief. Wieder zwei Möglichkeiten, wieder beide schrecklich, wieder steht am Ende der Tod eines Mitschülers. Archers Panik ist groß und er lässt sich auf die Erpressung ein. Und erhält einen weiteren Brief! Er ahnt, dass der Briefschreiber ein größeres Ziel anpeilt und das ist mit seiner Vergangenheit verbunden.

Colin Hadler erzählt eine unfassbar grausame Story, deren Ziel relativ schnell klar wird. Es geht um Moral, moralische Dilemmata, jugendliche Grausamkeit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Die Hauptfigur Archer ist der Erzähler und dieser gibt nur nach und nach preis, wie er in diese Situation geraten konnte. Seine Versuche, das richtige zu tun, aber auch aus der Situation herauszukommen, sind nachvollziehbar, auch wenn sie oft nicht richtig sind. Seine innere Zerrissenheit kommt gut rüber.

Auch die anderen Figuren bekommen nach und nach Kontur. Es wird sehr gut dargestellt, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, keiner ohne Fehler ist, das Leben selten fair ist, man aber genau deshalb rücksichtsvoll handeln muss. Aber auch, was richtig ist, wie man Freundschaft beweisen kann, wie man über seinen eigenen Schatten springt. Erstaunlich finde ich hier, dass ich trotzdem niemanden so sympathisch finde, dass ich mich persönlich involviert fühle. Ich lasse Archer in seiner Ich-Erzählweise im Präsens einfach reden und höre ihm zu. Das Ende ist so nicht zu erahnen gewesen und ein echter Show-Down, macht mich aber nicht glücklich.

Der Wechsel in die Erzählung der Ereignisse in Mexiko bringen nach und nach ein paar Erkenntnisse, die in der Gegenwart dann die Fäden verbinden und Licht ins Geschehen bringen. Philipp Allar macht an sich einen guten Job als Sprecher, aber ich mag nicht, wie er weibliche Parts spricht. Einige Stellen finde ich für Kids ab 13 doch etwas heftig. Die sechs Briefe bringen nebenbei Themen auf, die schwer wiegen und wichtig sind. Meiner Meinung nach wurden sie jedoch nicht mit ausreichend Tiefe ausgearbeitet. Die negativen Charakterzüge der Schüler erscheinen mir doch ein bisschen zu sehr gewichtet. Insgesamt gebe ich dennoch vier Sterne, denn die Grundidee ist spannend und langweilig war die Hörzeit auch nicht.