Spannende Prämisse, die ein bisschen oberflächlich bleibt

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Ich mag die Gestaltung des Buches recht gerne. Durch die gelbe Sechs vor dem dunklen Hintergrund und die Charaktere, die nicht klar erkennbar sind, erregt das Buch direkt Aufmerksamkeit. Zudem weist der Brief unter der Sechs schon subtil auf den Inhalt des Buches hin, ohne zu viel zu verraten.

Die Story war ebenso vielversprechend: Als Archer eins Morgens einen gelben Umschlag in seinem Spind findet, glaubt er noch an einen schlechten Scherz und ignoriert deswegen die Drohung, dass jemand sterben wird, wenn er sich nicht einer völlig absurden Entscheidung stellt. Doch dann stürzt in der kommenden Nacht wirklich ein Schüler vom Glockenturm des Internats und Archer erhält den nächsten Brief in einem gelben Umschlag. Wieder muss er eine nahezu unmögliche Entscheidung treffen und wieder ist die Strafe für das Nichterledigen der Aufgabe, der Tod eines anderen Schülers. Verzweifelt versucht Archer herauszufinden, was hinter den Drohungen steckt, die sich zunehmend auch auf seine Freunde ausweiten, um zu verhindern, dass noch jemand stirbt. Doch dafür muss er sich einem Vorfall in seiner Vergangenheit stellen, den er lieber vergessen möchte.

Ich hatte gar nicht so viele Erwartungen an diese Geschichte, außer dass ich unbedingt einen spannenden Jugendthriller lesen wollte und das ist das Buch mit Abstrichen auch, aber so richtig konnte es mich nicht überzeugen. Das liegt allerdings nicht so sehr am Schreibstil, dieser ist durchaus fesselnd und sorgt dafür, dass ich die Geschichte recht schnell durchlesen konnte, nachdem ich erst einmal in sie eingetaucht bin.

Allerdings startet man doch sehr abrupt in die Geschichte und ich hatte vor allem zu Beginn meine Probleme, die Charaktere richtig kennenzulernen. Vor allem bei Archer hatte ich während des kompletten Lesens Probleme damit. Ich hatte nie das Gefühl, ihn komplett greifen zu können, was auch daran liegt, dass man ihn mit Beginn seiner Ausnahmesituation kennenlernt. Er bekommt einen Brief mit einer Drohung und als er sich nicht entscheidet, ist plötzlich jemand tot. Dadurch handelt er oft komplett impulsiv und ohne lange nachzudenken. Das hat mich tatsächlich immer ein bisschen gestört, weil ich manchmal gar nicht so richtig Zeit hatte, um ihn als Person zu erfassen, bevor er wieder etwas Gefährliches oder Bloßstellendes tun musste. Es wirkte fast ein bisschen so, als würde er vor allem in den Mauern des Internats existieren und hat wenig außerhalb davon. Wahrscheinlich ist es vor allem das, was es mir schwer gemacht hat, so richtig mit ihm mitzufiebern. Er blieb einfach ein bisschen blass und ich wusste nie, was er als nächstes tut, weil ich nie das Gefühl hatte, ihn als Charakter so richtig kennengelernt zu haben. Das ist bei den Nebencharakteren ein bisschen besser. Sowohl Nick als auch Hazel waren mir aus irgendwelchen Gründen deutlich näher und ich hatte das Gefühl, sie deutlich besser kennenzulernen als es bei Archer der Fall war. Deswegen habe ich auch oft nicht so ganz verstanden, warum er sich ihnen immer erst anvertraut, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Das hat mich ab einem gewissen Zeitpunkt einfach genervt, weil seine Freunde mehr als einmal bewiesen haben, dass sie für ihn da sind.

Auch die Story konnte mich nicht komplett fesseln. Ich habe relativ lange gebraucht, um so richtig in die Geschichte eintauchen zu können, obwohl schon direkt so viel passiert und man ohne große Einleitung in die Handlung geworfen wird. Aber wahrscheinlich hat genau das bei mir dafür gesorgt, dass ich immer noch versucht habe, das Setting und die Verbindung der verschiedenen Personen zu verstehen, während die Handlung schon viel weiter war. Das wurde zum Glück im Laufe des Buches etwas besser und ab einem gewissen Punkt wollte ich dann einfach nur wissen, was denn jetzt passiert ist und wer hinter den Briefen steckt.

Alles in allem habe ich das Buch durchaus schnell durchgelesen, aber begeistern konnte es mich nicht. Das liegt vor allem daran, dass ich mit Archer nie so wirklich warm geworden bin und seine Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte. Außerdem wurde man für meinen Geschmack zu schnell in die Handlung geworfen und hatte sehr wenig Zeit, sich in die Geschichte einzufinden.