Zwischen Bestiarium, Forschung und Anderssein
Schon das Cover von Smeralda Bohms Bestiarium zieht in seinen Bann: atmosphärisch, detailreich und in dunklen Grün-, Blau- und Goldtönen gehalten, verspricht es eine geheimnisvolle, leicht unheimliche Geschichte. Im Zentrum steht Smeralda Bohms, umgeben von jenen Kreaturen, denen sie ihr Leben widmet. Dieses visuelle Versprechen löst das Buch in vielerlei Hinsicht ein – gestalterisch ist es ein echtes Highlight.
Smeralda ist zwölf Jahre alt und Kryptozoologin aus voller Überzeugung. Sie erforscht verborgene Wesen mit großer Genauigkeit, führt Notizen, Skizzen und ein eigenes Bestiarum. Als sie eine Einladung vom Geheimen Institut erhält, scheint sich ihr Traum zu erfüllen – doch schnell stellen sich Zweifel ein, besonders angesichts eingesperrter Kreaturen und einer undurchsichtigen Institutsleiterin. Parallel wird Smeralda in mehrere Mordfälle verwickelt, was die Geschichte zusätzlich zuspitzt und ihr moralische Fragen abverlangt.
Anja Fislages Schreibstil ist lebendig, bildhaft und bewusst sachlich. Die Sprache passt gut zu Smeraldas analytischer, sehr eigenständiger Sicht auf die Welt. Gleichzeitig ist genau das auch eine Herausforderung: Die Protagonistin ist stark auf ihre Überzeugungen fixiert, emotional eher distanziert und wenig kompromissbereit. Dadurch fällt es stellenweise schwer, eine enge emotionale Bindung aufzubauen, und der Einstieg kann sich etwas zäh anfühlen. Erst im weiteren Verlauf – insbesondere im Finale – entfaltet die Geschichte ihre volle Spannung und atmosphärische Dichte.
Sehr gelungen sind die Nebenfiguren:
Smeraldas loyaler Freund, ihre unterstützende Schwester und ihr Vater bringen Wärme, Menschlichkeit und emotionale Tiefe in die Handlung. Auch der feine, hintergründige Humor, der aus Smeraldas direkter und oft wortwörtlicher Wahrnehmung entsteht, sorgt immer wieder für kluge und überraschende Momente. Der Antagonist hingegen wirkt stellenweise überzeichnet, und einige Szenen sind für die Zielgruppe durchaus intensiv und nicht ganz unproblematisch.
Ein besonderes Merkmal des Buches ist seine außergewöhnliche Form: Zeichnungen, Randnotizen, Skizzen, Briefe, Fußnoten und lexikonartige Einschübe sind Teil des Erzählkonzepts. Das macht das Buch visuell und inhaltlich sehr reizvoll, kann aber auch den Lesefluss stören, wenn zu viele Zusatzinformationen gleichzeitig auf einer Seite konkurrieren.
Fazit:
Smeralda Bohms Bestiarium ist ein ungewöhnliches, kluges und visuell beeindruckendes Buch mit einer originellen Hauptfigur und einer starken Grundidee. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und Offenheit ein – belohnt diese aber mit Tiefe, Atmosphäre und einer Geschichte, die im Kopf bleibt. Kein Buch für nebenbei, aber eines, das sich deutlich von klassischen Fantasyabenteuern abhebt und lange nachwirkt.
Smeralda ist zwölf Jahre alt und Kryptozoologin aus voller Überzeugung. Sie erforscht verborgene Wesen mit großer Genauigkeit, führt Notizen, Skizzen und ein eigenes Bestiarum. Als sie eine Einladung vom Geheimen Institut erhält, scheint sich ihr Traum zu erfüllen – doch schnell stellen sich Zweifel ein, besonders angesichts eingesperrter Kreaturen und einer undurchsichtigen Institutsleiterin. Parallel wird Smeralda in mehrere Mordfälle verwickelt, was die Geschichte zusätzlich zuspitzt und ihr moralische Fragen abverlangt.
Anja Fislages Schreibstil ist lebendig, bildhaft und bewusst sachlich. Die Sprache passt gut zu Smeraldas analytischer, sehr eigenständiger Sicht auf die Welt. Gleichzeitig ist genau das auch eine Herausforderung: Die Protagonistin ist stark auf ihre Überzeugungen fixiert, emotional eher distanziert und wenig kompromissbereit. Dadurch fällt es stellenweise schwer, eine enge emotionale Bindung aufzubauen, und der Einstieg kann sich etwas zäh anfühlen. Erst im weiteren Verlauf – insbesondere im Finale – entfaltet die Geschichte ihre volle Spannung und atmosphärische Dichte.
Sehr gelungen sind die Nebenfiguren:
Smeraldas loyaler Freund, ihre unterstützende Schwester und ihr Vater bringen Wärme, Menschlichkeit und emotionale Tiefe in die Handlung. Auch der feine, hintergründige Humor, der aus Smeraldas direkter und oft wortwörtlicher Wahrnehmung entsteht, sorgt immer wieder für kluge und überraschende Momente. Der Antagonist hingegen wirkt stellenweise überzeichnet, und einige Szenen sind für die Zielgruppe durchaus intensiv und nicht ganz unproblematisch.
Ein besonderes Merkmal des Buches ist seine außergewöhnliche Form: Zeichnungen, Randnotizen, Skizzen, Briefe, Fußnoten und lexikonartige Einschübe sind Teil des Erzählkonzepts. Das macht das Buch visuell und inhaltlich sehr reizvoll, kann aber auch den Lesefluss stören, wenn zu viele Zusatzinformationen gleichzeitig auf einer Seite konkurrieren.
Fazit:
Smeralda Bohms Bestiarium ist ein ungewöhnliches, kluges und visuell beeindruckendes Buch mit einer originellen Hauptfigur und einer starken Grundidee. Es fordert Aufmerksamkeit, Geduld und Offenheit ein – belohnt diese aber mit Tiefe, Atmosphäre und einer Geschichte, die im Kopf bleibt. Kein Buch für nebenbei, aber eines, das sich deutlich von klassischen Fantasyabenteuern abhebt und lange nachwirkt.