Entgleist

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jidewi Avatar

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Was wäre, wenn dir das Leben entgleist? Einfach durch die Finger gleitet wie Wasser, unaufhaltsam und in einem Rutsch? Die Vergangenheit verdrängt, die Gegenwart nur gültig für den Moment und die Zukunft eine Frage, die sich besser nicht stellt? Was wäre, wenn alles, was dir bleibt, die eigene Kleidung am Leib ist, ohne Wohnung, Geld, Essen und einer Idee, wie es weitergehen könnte?

So ergeht es Bohm im neuesten Werk von Christian Huber „Solange ein Streichholz brennt“. Mitte dreißig, auf der Straße gelandet, das Warum bleibt sein Geheimnis, wie vieles andere auch. Mit seinem Hund Fox schlägt er sich durch auf den Straßen von Köln. Bis er eines Tages Alina Alev trifft, die auf der Suche nach einem Protagonisten für eine Reportage bei Bohm hängen bleibt. Beide spüren, dass diese Begegnung anders ist, aber zugleich weiß Alina, dass Bohm ihr nicht alles erzählt, bis alles an die Oberfläche bricht.

Christian Huber hat hier wiederum nach seinem ersten Erfolg eine schwere Thematik leicht verpackt, der Roman wurde von mir in nahezu einem Rutsch verschlungen. Mir gefallen die Figuren, die visuelle Darstellung und auch, dass er sich gezielt jemanden von der Straße nimmt als Protagonisten, wo wir alle unsere Distanz spüren und wahren. Alina ist wie eine Brücke und überrascht mit ihrem Verhalten, ihrer Entwicklung. Und Bohm ist wirklich gut gezeichnet, die Klischees werden überwunden, weil die Fragen hinter dem Menschen dominieren. Wer bist du eigentlich und wie konnte es soweit kommen? Dabei bewahrt Huber die Leichtigkeit und schafft so für mich bereits eins der besten Bücher des kommenden Sommers, bei dem ich auf eine wunderschöne Verfilmung hoffe. Eine Empfehlung für alle Fans, aber auch für Freunde der Mischung aus tragischen Figuren und doch leichter Lektüre, die sich selbst oft nicht zu ernst nimmt.