„Man muss sein eigenes Zuhause sein“ – Eine filmreife Reise durch Licht und Schatten

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amadeus Avatar

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Christian Hubers Roman hat mich von der ersten Seite an durch seine unglaublich bildhafte Sprache gefesselt. Während des Lesens hatte ich das Gefühl, keinen Text vor mir zu haben, sondern einen Film zu sehen. Besonders die Beschreibungen von Bohms „Zuhause“ sind so lebendig, dass man die Atmosphäre fast physisch spüren kann. Das Buch liest sich dadurch wunderbar flüssig und kurzweilig.

Das Cover der gebundenen Ausgabe ist eher schlicht aber keinesfalls langweilig, ein geprägtes Streichholz begleitet uns auf dem Cover und immer wieder im Buch selbst.

Im Zentrum stehen zwei Charaktere, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten: Bohm, der Obdachlose, und Alina, die Journalistin. Bohm ist mir sofort ans Herz gewachsen. Er ist feinfühlig, humorvoll und liebevoll – und genau das macht das große Rätsel seiner Figur so spannend: Warum lebt dieser Mann auf der Straße? Man spürt, dass er vor etwas wegläuft, und diese Ungewissheit hält die Spannung bis zum Ende hoch.

Alina bildet dazu das perfekte Gegenstück in der glitzernden Medienwelt Kölns. Doch Huber zeigt schnell: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die unangenehmen Kollegen und der enorme Druck machen deutlich, dass auch in ihrer vermeintlich „perfekten“ Welt tiefe Risse existieren.
Ein Satz eines anderen Obdachlosen ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Ich sag immer, man muss sein eigenes Zuhause sein – sonst verliert man sich.“ Dieses Zitat fasst die Suche der beiden Protagonisten perfekt zusammen.

Mein Geheimtipp: Am Ende des Buches gibt es eine Musiktrackliste mit passenden Soundtracks zu den einzelnen Kapiteln. Ich wünschte, ich hätte das schon zu Beginn gewusst! Mein dringender Rat an alle Leser: Schaut erst hinten ins Buch, legt euch die Playlist bereit und lasst euch dann von der Geschichte und der Musik davontragen.

Fazit: Ein absolut lesenswerter, emotionaler Roman, der den Blick auf unsere Mitmenschen verändert.