Milieu

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bookworld91 Avatar

Von

Ein einsamer Obdachloser. Eine Reporterin, die das echte Leben filmen möchte. Und ein Hund, der dringend medizinische Hilfe benötigt. Das ist die Ausgangslage in „Solange ein Streichholz brennt“.

Böhm lebt seit Jahren auf der Straße. Sein treuer Begleiter ist Hund Fox. Als er auf Reporterin Alina trifft, sagt er ihr zwecks Interview ab. Ehe sein Hund eine kostspielige Operation benötigt. Doch es bleibt nicht bei einem Interview- Alina deckt Böhms geheime Vergangenheit auf…

Ich finde die Romanidee der Millieustudie gut. Beispielhaft werden Alina und Böhm ausgewählt, um Klassenunterschiede in der Gesellschaft aufzuzeigen. Und Autor Christian Huber geht es auch nicht schlecht an. So bedient er sich einfacher, alltagsnaher Sprache zwischen Alina und Böhm. Insgesamt ist die Sprache eher nüchtern und unaufgeregt, wenn es nicht gerade um Alinas Job oder Böhms Vergangenheit geht. Aber genau diese Sprache macht den Roman leicht lesbar und lenkt den Blick auf das alltägliche, was ja im Mittelpunkt steht.

Besagtes alltägliche sind Dinge wie Spaziergänge, U— Bahn Fahrten oder Weihnachtsmarkt Besuche. Hier spart Böhm sich alles zusammen und wird trotzdem beschuldigt und von anderen, wie Alinas Kollegen Jakob oder dem Kontrolleur in der Bahn, beschuldigt, unrechtmäßig zu handeln. Dadurch ist der Roman voller Klischees und zeigt, was die Menschen über Obdachlose denken.

Hier hätte ich mir Böhms Gefühle und Gedanken, sei es im Gespräch mit Kerstin oder mit Fox, zu dem Thema gewünscht. Oder tiefe Eindrücke von Alina. Vielleicht als Tagebuch? Die Gedanken, die geäußert werden, sind nur klischeehaft und nichts sagend.

Gefallen hat mir wiederum, dass es eine Moral gibt. Alina gibt Böhm Halt, er schafft es, seine familiären Angelegenheiten zu klären und blickt in die Zukunft. Es ist klar, was die nächsten Schritte sind und wie es weitergeht. Das fehlt manch anderen in Böhms Situation.

Insgesamt ein gelungener Sozialroman, auch wenn ich mir tiefere Auseinandersetzung mit dem Klischees gewünscht hätte. Vier Sterne.