Sichtbarkeit für die Unsichtbaren

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Alina droht, ihren Job zu verlieren. Ihre letzte Chance ist eine Reportage über Obdachlosigkeit. Diese macht sie über Bohm, der auf der Straße lebt und versucht, seine Vergangenheit zu verdrängen.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Alinas und Bohms Sicht erzählt. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Die ehrgeizige und etwas unsensible Alina und Bohm, dem es schwer fällt, sich zu öffnen, der aber trotzdem mehr Wärme ausstrahlt als Alina. Diese war mir anfangs eher unsympathisch, im Laufe des Buches entwickelt sie sich aber glücklicherweise zu einer empathischeren Person.

Das Thema Obdachlosigkeit wird in dieser Geschichte sensibel, aber ungeschönt dargestellt. Es kommt nicht oft in Büchern vor, umso wichtiger ist es, dass das Leben auf der Straße mehr Sichtbarkeit erhält. Viele Stellen haben mich berührt und auch öfters schlucken lassen.

Die Liebesgeschichte hingegen ging mir zu schnell. Ich hätte mir mehr Momente gewünscht, die die Annäherung der beiden zeigen. Beide haben eigentlich einen Schutzpanzer abzulegen und das hätte meines Erachtens länger gebraucht. Trotzdem war der Umgang der beiden (bis auf Alina am Anfang) schön mitanzusehen.

Auch ein bisschen mehr Tiefe bei den Hauptfiguren hätte ich gut gefunden. Vieles wird nur angerissen und gerade die Gründe, warum Bohm in der Obdachlosigkeit gelandet ist, hätten ausführlicher dargelegt werden können, denn so konnte ich seine Entscheidung nicht hundertprozentig nachvollziehen.

Alles in allem aber ein bewegendes und kurzes Buch, welches zum Nachdenken anregt.