Spiegel der Gesellschaft

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jollybooktime Avatar

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"Das ist Bohm. Er ist sechsunddreißig Jahre alt. Seit fünf Jahren lebt er auf der Straße. Was ist ihm passiert? Und was bedeutet eine Existenz am Rand der Gesellschaft?" (S. 179)

So soll der Trailer einer Reportage, an der Alina arbeitet, starten. Ein TV-Format, das Schicksale wie das des Obdachlosen Bohm in den Fokus rücken will. Das Redaktionsteam, allen voran Alinas Kollege Jakob, ist dabei natürlich in erster Linie auf Quote aus. Der Hebel dafür: Die Zuschauer müssen sich erhaben fühlen. Womit sie im echten Leben möglichst nicht in Berührung kommen wollen, holen sie sich dank Voyeurismus ins eigene Wohnzimmer.
Mit professioneller Distanz begleitet Alina Bohm durch triste bis nervenaufreibende Tage. Doch obwohl der Fremde sie konsequent auf Abstand hält, entsteht bald eine Verbindung, die weit über journalistische Neugier hinausgeht.

Mit "Solange ein Streichholz brennt" liefert Christian Huber einen Roman, der unter die Haut und mitten ins Herz geht. Schließlich begegnen wir wohl alle täglich Menschen wie Bohm. Vielen wahrscheinlich sogar über Jahre hinweg, weil sie fest zu den Straßen gehören, auf denen sie leben. Mir geht dabei immer derselbe Satz durch den Kopf: Sie waren einmal ein Baby, dessen Geschichte noch nicht geschrieben war. Was muss geschehen, damit ein Mensch auf der Straße landet? Wie viel "Schuld" trägt er selbst? Und gibt es überhaupt einen Weg zurück?

Doch das sind nicht primär Hubers Fragen. Er stellt vor allem zwei Welten einander gegenüber: die Gewinner und die Verlierer unserer Gesellschaft. Aber sind diese Kategorien so eindeutig? Sind es nicht vielmehr die, die sich über andere erheben, von denen man sich kritisch distanzieren sollte? Jene, die meinen, ihnen gehöre alles, auch das Leben anderer. Nicht die, denen oft unverschuldet das Leben entglitten ist. Der Autor erinnert daran, dass hinter jedem Vorurteil eine Geschichte steckt, die wir meist nicht kennen. Und der Roman wirft einen kritischen Blick auf den Umgang der Medien mit menschlichem Leid und hält uns dabei den Spiegel dicht vor die eigene Nase.
Es ist ein Roman über Würde, Schuld, Mitgefühl und die Frage, wie schnell jeder von uns auf der anderen Seite stehen könnte.