Tolle Milieustudie

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timphilipp Avatar

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Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte im Kölner Obdachlosenmilieu und stellvertretend wird das Schicksal des Mittdreißigers Bohm erzählt. Über ihn dreht die junge Fernsehjournalistin Alina eine Reportage, von deren Erfolg ihr Verbleib im Sender abhängt. Sie begleitet Bohm einige Tage bei seinem Leben draußen. Ganz allmählich und so zum fortgesetzten Lesen animierendend entblättert sich die Lebensgeschichte von Bohm, in deren Verlauf es wie bei so vielen Obdachlosen einen Punkt gibt, der ihn aus der Bahn geworfen hat. Spannungsfördernd werden dabei ein geheimnisvoller ungeöffneter Brief, adressiert an Bohm, und ihn plagende Albträume eingesetzt. Kapitelweise wechselnd wird daneben aus Alinas Leben erzählt, die unbedingt Karriere in der Medienwelt machen will. Ob sie ihr Ziel um jeden Preis und ohne jeden Skrupel erreichen will, ist die andere Schiene dieses Romans. Eine Verbindung zwischen beiden Protagonisten gibt es nicht nur auf beruflicher Ebene. Sehr schnell funkt es zwischen beiden. Doch ist das möglich – eine Beziehung zwischen einem Obdachlosen und einer voll im Leben stehenden Frau?
Alles ist sehr berührend dargestellt. Bohm wird sehr menschlich und sensibel gezeichnet. Gelungen ist, wie sich beide allmählich und mit leisen Tönen aufeinander zu bewegen und dabei noch Hindernisse ausräumen müssen. Als positiv empfand ich, dass es am Ende kein klassisches Happy End gibt, sondern der weitere Fortgang der Beziehung der beiden Protagonisten offengelassen wird.