"Wie entgleitet ein Leben?"
Christian Huber hat ein sehr emotionales und anrührendes Buch geschrieben, das das Thema Absturz im privaten, gesellschaftlichen und beruflichen Gefüge zum Inhalt hat. Seine Hauptfiguren Daniel Bohm und Alina Alev kommen abwechselnd zu Wort. Alina ist Einzelkind und hat den beruflichen Aufstieg über Studium geschafft, stößt aber auf Widerstände im beruflichen Fortkommen in der Medienlandschaft. Sie ist sensibel und hat moralische Grenzen, was in dem Metier nicht unbedingt zum Vorteil ist. Daniel Bohm lebt bereits mehrere Jahre abdachlos auf den Straßen von Köln. Er ist ein Einzelgänger, der alkoholkrank und von psychischen Problemen gequält von Tag zu Tag versucht zu überleben. Etwas Lebensfreude ist durch den zugelaufenen Hund Fox in seine erbärmliche Existenz gekommen. Alina hat eigentlich schon mit einer Kündigung gerechnet, als sie die Chance erhält für ein neues Format einer Talkshow das filmische Intro zu gestalten. Aufgrund des Hinweises einer Sozialarbeiterin stößt sie auf Daniel Bohm, dem sie 1000 Euro bietet, um ihn eine Woche mit der Kamera begleiten zu dürfen, damit die Zuschauer das Thema Obdachlosigkeit plakativ miterleben können. WIe die beiden sich langsam aufeinander zu bewegen, sich ergänzen und sich nicht so unähnlich sind, wie es am Anfang schien, erzählt Christian Huber sehr beeindruckend, so dass man nicht aufhören kann zu lesen und sich von dieser anrührenden Geschichte einfangen lässt. Das Buch ist auch ein bisschen Lehrstück, wie schnell es gehen kann, dass man aus seiner vermeintlich sicheren bürgerlichen Existenz abstürzen kann und kein Netz einen fängt.