Wir brauchen mehr Drama

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owenmeany Avatar

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Der Grundkonstellation zufolge befürchtete ich eine rührselige Geschichte gespickt mit allerlei Unwahrscheinlichkeiten, in etwa so ein modernes umgekehrtes Aschenputtel-Ding. Und dass es dann tatsächlich zu einer Romanze kommt, wertet das Buch für mich nicht unbedingt auf. Dennoch wurde mir beim Lesen bewusst, dass ich das Thema "Obdachlosigkeit" wie die meisten Menschen meide, sondern auf Straßen und Plätzen eher einen Bogen um diese Personen mache.

Offensichtlich hat sich Huber dieses Milieus kundig gemacht, denn durch eine detaillierte, nüchterne Sicht führt er uns vor Augen, dass man diese Situation ohne Alkohol- oder Drogenkonsum kaum aushält, was der Verlust eines Schlafsacks bedeutet und dass man sich die Gesellschaft eines Hundes auch erst einmal leisten können muss. Ob es an den verbreiteten Vorurteilen liegt, dass ich Alinas aufkommende Sympathie nicht so recht nachvollziehen kann? Oder zeigt das besonders deutlich, wie der Blick sich wandelt, sobald man hinter die Fassade schaut?

Ein stark emotionales Element kommt durch die Hündin Fox ins Spiel, deren unschuldige Zutraulichkeit den menschlichsten Faktor der ganzen Story darstellt und in der sich sowohl die positivsten als auch die negativsten Eigenschaften derjenigen, die auf sie reagieren, spiegeln.

Lange spannt uns Huber auf die Folter, bis er die Frage beantwortet, was Bohm so aus der Bahn warf, die eigentlich als Thema einer Fernsehsendung vorgesehen war. Huber kennt sich offensichtlich aus im Dschungel von Film und Fernsehen, das kann man schon aus seinen Referenzen ersehen. Medienkritisch gibt er uns Einblick in die Mechanismen, wie Realitysoaps menschliche Schicksale ausschlachten und Unbedarfte zu Voyeuren machen: das Protokoll der Redaktionssitzung zu Beginn des dritten Teils ist Zynismus pur. Man fragt sich, wer der deformiertere Charakter ist: der stinkende Obdachlose oder der erfolgreiche Showmaster.

Das alles erfasst der Autor in einem geradlinigen, ungekünstelten Schreibstil mit einer filmreifen Betonung der Dialoge.