Wodurch definiert sich ein Mensch?

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Ein tolles Buch über unterschiedliche Welten, Vorurteile und darüber, dass hinter jedem Menschen eine Geschichte steckt.

Der Roman wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt. Wir haben auf der einen Seite Alina, eine junge Journalistin, die zumindest in ihren Augen kurz vor ihrem Karriereende steht und die nun noch eine letzte Chance bekommt, die sie unbedingt ergreifen muss. Ihr Projekt: Ein Kurzfilm über Obdachlosigkeit.

Auf der anderen Seite: Bohm, der Obdachlose, den Alina ausgewählt hat und Teil ihres Films werden soll. Über ihn erfährt man zunächst nicht viel, außer, dass er in der Vergangenheit ein Leben gehabt haben muss, dass sich drastisch von seinem jetzigen Leben unterscheidet.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten des Einlassens auf den jeweils anderen, finden Alina und Bohm einen respektvollen und sehr schön beschrieben Weg, miteinander (und mit den aufkommenden Gefühlen) umzugehen.

Das Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte, jeder Mensch, der auf der Straße lebt, hat immer noch dasselbe Gefühlsspektrum, dass auch alle anderen Menschen haben. Von Glück über Scham zu Wut und Trauer. Diese Sichtweise wird sehr gut rübergebracht.
Das Buch ist nicht künstlich aufregend, die Geschichte ist spannend, ohne Effekthascherei.

Ich empfehle dieses Buch allen, die ein bisschen Hoffnung in die Welt benötigen und auch all denen, die bereit sind, ihre eigene Lebenssituation und ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen.