Flip-Flops, Familiengeheimnisse und eine fatale Begegnung am Ortasee

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
janps Avatar

Von

Der Einstieg in Rachel Joyces Roman Sommerhaus gestaltet sich als ein atmosphärischer Mix aus sommerlicher Nostalgie und einer heraufziehenden, familiären Krise. Die Geschichte beginnt mit einem atmosphärisch dichten Prolog, der den Leser an den italienischen Ortasee versetzt. Das Bild der vier Geschwister – Netta, Susan, Iris und Goose –, die in ihren Flip-Flops über glühende Steine laufen, brennt sich sofort ein. Man spürt förmlich die Hitze und das Gewicht der Trauer um den verstorbenen Vater, dessen Leichnam sie nach Hause holen wollen.
Die Sprache von Rachel Joyce ist bildhaft und präzise. Besonders beeindruckend ist die Schilderung des Sees, der mal wie eine Glasscheibe wirkt und mal in tiefem Nebel verschwindet. Joyce gelingt es, die komplexe Dynamik der Geschwister allein durch kleine Details und Dialoge einzufangen – etwa Iris’ Weigerung, rotes oder grünes Gemüse zu essen, oder Nettas Bedürfnis nach Kontrolle. Der Wechsel zwischen der drückenden Hitze in Italien und der sterilen, modernen Noodle-Bar im Londoner Soho des Jahres 2015 erzeugt eine spannungsgeladene Dynamik.
Der Beginn hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Nachricht des Vaters Vic, im Alter von 76 Jahren eine erst 27-jährige Internetbekanntschaft namens Bella-Mae zu heiraten, wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die ohnehin fragile Familiengeschichte. Die Figur der Bella-Mae bleibt mysteriös und lässt die Vorahnung zu, dass sie das Leben der Geschwister nachhaltig erschüttern wird.
Ich habe definitiv großes Interesse daran, weiterzulesen. Ich möchte erfahren, wer Bella-Mae wirklich ist und wie es zum tragischen Ende am See kam, das im Prolog bereits angedeutet wurde.