Sommerliche Kulisse, düstere Fragen

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Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, mitten in einer Familie zu sitzen, in der vieles unausgesprochen geblieben ist. Vic lädt seine vier erwachsenen Kinder in eine Noodle-Bar ein und eröffnet ihnen dort, dass er eine 27-jährige Frau namens Bella-Mae heiraten möchte. Allein diese Szene hat mich gleichzeitig schmunzeln und die Stirn runzeln lassen. Man spürt sofort, wie überrascht, irritiert und auch verletzt die Kinder sind. Dass Bella-Mae sogar jünger ist als Vics jüngste Tochter, macht die Situation noch befremdlicher. Eine Situation, in der ich selbst war.
Besonders neugierig hat mich gemacht, dass Vic laut Klappentext noch vor der Hochzeit stirbt und seine Kinder Bella-Mae erst danach richtig kennenlernen. Schon jetzt stellt sich die Frage, wer diese junge Frau wirklich ist. Geht es um Liebe oder steckt etwas anderes dahinter? Auch der von Bella-Mae zubereitete Kräutertee und Vics deutlicher Gewichtsverlust wirken auffällig und haben bei mir direkt ein mulmiges Gefühl ausgelöst.
Der Prolog am italienischen See hat sofort eine besondere Stimmung geschaffen. Die sommerliche Kulisse wirkt zunächst leicht und beinahe idyllisch, doch gleichzeitig liegt über allem eine leise Melancholie. Diese Mischung aus Urlaubsatmosphäre, Familienkonflikten und einem Todesfall hat mich sofort angesprochen.
Rachel Joyce schreibt warmherzig, fein beobachtet und mit einem trockenen Humor, der mir sehr gefallen hat. Die Figuren wirken lebendig und authentisch. Gerade die Dynamik zwischen den Geschwistern hat mich schnell erreicht, weil sie so vertraut wirkt. Jeder bringt seine eigene Sicht auf den Vater und die Familiengeschichte mit, und man merkt sofort, dass alte Verletzungen noch nicht verheilt sind.
Cover und Klappentext hatten mich zunächst neugierig gemacht, aber die Leseprobe hat mein Interesse noch einmal deutlich gesteigert. Ich möchte unbedingt erfahren, was hinter Bella-Mae steckt, wie die Geschwister mit dem Verlust ihres Vaters umgehen und welche Geheimnisse dieser Sommer noch ans Licht bringt. Für mich wirkt „Sommerhaus“ wie ein einfühlsamer und zugleich spannender Familienroman, der mich begeistern kann.