Anders als erwartet

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Der Klappentext und das wunderschöne Cover machten mich sofort neugierig auf dieses Buch. Meine Erwartungen gingen allerdings in eine andere Richtung. Ich hatte mit einem sommerlichen Familienroman gerechnet, vielleicht sogar mit leichtem Krimi-Flair. Bekommen habe ich letztlich jedoch etwas ganz anderes.

Zunächst fiel es mir schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Fast die Hälfte des immerhin 475 Seiten zählenden Buches dient vor allem den ausführlichen Charaktervorstellungen. Zwar sind diese vielschichtig und detailreich gezeichnet, wirklich sympathisch war mir jedoch kaum jemand. Am ehesten konnte ich noch mit dem Sohn Goose mitfühlen. Insgesamt empfand ich diesen Teil leider als recht zäh.

Im zweiten Teil wurde die Geschichte deutlich spannender, als sich alles mehr um den ungeklärten Tod des Vaters Vic drehte. Erzählt wird vieles über die Dialoge der Geschwister untereinander. Dabei treten nach und nach immer mehr Konflikte und Lebenslügen ans Licht. Genau dieser dauerhafte Fokus auf familiäre Spannungen, Selbstmitleid, Wut und Streitigkeiten war jedoch nicht so ganz meine Welt. Viele Probleme drehten sich gefühlt im Kreis und zogen die Handlung dadurch unnötig in die Länge.

Alle vier Geschwister verbindet eine sehr ungesunde Bindung zu ihrem verstorbenen Vater — vermutlich auch geprägt durch den frühen Krebstod der Mutter. Vic selbst blieb für mich ein äußerst unsympathischer Charakter: exzentrisch, egozentrisch und mehr mit Alkohol, Affären und sich selbst beschäftigt als mit seinen Kindern. Statt Halt zu geben, führte er sie schon früh an Alkohol und Zigaretten heran.

Besonders gefallen hat mir dagegen das Setting. Die Villa am Lago d’Orta und die atmosphärisch beschriebene Umgebung Italiens waren für mich das Highlight des Buches. Die Autorin erschafft hier wunderschöne Bilder, die definitiv Lust auf diese Region machen.

Auch Bella-Mae, die neue Frau des Vaters, blieb für mich lange undurchschaubar und emotional eher fern. Dennoch mochte ich, wie subtil Rachel Joyce mit ihrer Figur gearbeitet hat.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, bildhaft und sehr detailreich. Ich kann absolut nachvollziehen, warum Rachel Joyce für ihre Bücher so geschätzt wird. Für mich persönlich war das Thema jedoch zu melancholisch und von zu viel Familiendrama, Trauer und Misstrauen geprägt. Vielleicht greife ich einfach lieber zu etwas harmonischeren Geschichten.

Insgesamt finde ich, dass der englische Originaltitel „The Homemade God“ deutlich besser zum Inhalt passt als der deutsche Titel „Sommerhaus“. Schließlich dreht sich die gesamte Geschichte vor allem um Vic und den Einfluss, den er auf das Leben seiner Kinder hatte. Auch das deutsche Cover empfinde ich rückblickend eher als unpassend, da es eine deutlich leichtere und sommerlichere Geschichte erwarten lässt, als das Buch letztlich erzählt.