Atmosphäre top – aber eine oberflächliche Familiengeschichte voller Längen

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Atmosphäre top – aber eine oberflächliche Familiengeschichte voller Längen

Optisch ist Sommerhaus von Rachel Joyce wirklich ein Schmuckstück: schöner Einband, tolles Lesebändchen, viel Versprechen auf ein besonderes Leseerlebnis. Inhaltlich blieb dieses Versprechen für mich jedoch unerfüllt. Die Geschichte wird extrem langsam und vom sprichwörtlich hintersten Ende aufgerollt, was mich eher ermüdete als fesselte.

Im Zentrum steht Künstler Vic Kemp, der nach einem Todesfall seine vier erwachsenen Kinder ins Sommerhaus am Lago d’Orta holt. Das Setting und die Atmosphäre haben mir tatsächlich gefallen. Doch ich wurde mit keinem der Charaktere warm — dadurch wirkte vieles für mich eher oberflächlich, obwohl das Buch offensichtlich versucht, große Dramatik aufzubauen. Die Figuren blieben mir unsympathisch, die Konflikte klischeehaft, und das ständige Ausbreiten der einzelnen Lebensgeschichten zog sich endlos hin.

Der Vater behandelt seine Kinder in meinen Augen schlecht, alle tragen einen deutlichen Knacks davon. Trotzdem bleibt die Erzählung erstaunlich an der Oberfläche, während sie gleichzeitig sehr viel Raum für Vorgeplänkel und Rückblenden beansprucht. Für ein einziges Familiengeheimnis war mir das schlicht zu viel Drama und zu wenig erzählerische Substanz.
Fazit

Wunderschöne Kulisse, aber eine zähe, überdramatisierte Familiengeschichte, die mich weder emotional noch erzählerisch erreicht hat. Für mich leider nur 2 Sterne.