Brüchiger Frieden
Ich muss zugeben: Das Cover hat mich getäuscht - auf eine wirklich gute Art. Ein sonniges Ferienhaus, blauer See, dieser typische „perfekt für den Strand”-Look ließ mich leichte Urlaubslektüre erwarten. Was ich stattdessen bekam, war ein Familiendrama mit erstaunlich viel Tiefgang, das mich noch tagelang beschäftigt hat.
Zum Inhalt: Der über siebzigjährige Künstler Vic Kemp versammelt seine vier erwachsenen Kinder Netta, Susan, Goose und Iris, um eine Ankündigung zu machen: Er will noch einmal heiraten, und zwar die 27-jährige Bella-Mae. Bevor sich die Familie von diesem Schock erholen kann, wird Vic tot am Ortasee aufgefunden, wo die Familie seit Jahrzehnten ihr Sommerhaus besitzt. Die Geschwister reisen nach Italien, treffen dort erstmals auf die mysteriöse Bella-Mae und müssen sich nicht nur mit den Umständen von Vics Tod auseinandersetzen, sondern auch mit allem, was sie sich selbst über ihre Familie und übereinander jahrelang schöngeredet haben.
Was mich wirklich begeistert hat: Ich bin mit der Erwartung eines mysteriösen Sommerromans mit Krimi-Einschlag reingegangen und Rachel Joyce hat mich eines Besseren belehrt. Statt eines klassischen Whodunits bekommt man etwas viel Klügeres: eine Geschichte darüber, wie viel Selbsttäuschung eine Familie über Jahre am Laufen halten kann. Bella-Mae, die anfangs wie eine Nebenfigur wirkt, entpuppt sich als brillant konstruierter Katalysator, der mit beiläufigen Fragen genau da hinstochert, wo es wehtut. Diese Figur allein macht das Buch lesenswert.
Rachel Joyce, bekannt durch „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry”, schreibt mit einer Leichtigkeit und einem Gespür für Atmosphäre, das seinesgleichen sucht. Man spürt die italienische Sommerhitze förmlich beim Lesen. Besonders stark fand ich, wie geschickt sie die Wahrheiten über Vic nach und nach freilegt, ohne dabei je in einfache Antworten zu verfallen. Man muss viele der Figuren im Verlauf des Romans neu bewerten, und genau das macht den Sog dieses Buches aus. Der Mittelteil nimmt sich zwar Zeit, um alle vier Geschwisterperspektiven auszuloten, aber diese Geduld zahlt sich im fulminanten letzten Drittel voll aus, wenn alle Puzzleteile zusammenkommen.
Mein Fazit: Ein Buch, das man am besten an einem ruhigen Urlaubstag liest, an dem man sich wirklich auf die Familie Kemp einlassen kann, denn genau dann entfaltet es seine volle Wirkung. Wer Geschichten über Geschwisterdynamiken, unausgesprochene Wahrheiten und die Frage mag, wie gut wir die Menschen kennen, die uns am nächsten stehen, findet hier ein echtes Lesehighlight. Klare Leseempfehlung für alle, die sich auf ein kluges, atmosphärisches Familiendrama einlassen wollen.
Zum Inhalt: Der über siebzigjährige Künstler Vic Kemp versammelt seine vier erwachsenen Kinder Netta, Susan, Goose und Iris, um eine Ankündigung zu machen: Er will noch einmal heiraten, und zwar die 27-jährige Bella-Mae. Bevor sich die Familie von diesem Schock erholen kann, wird Vic tot am Ortasee aufgefunden, wo die Familie seit Jahrzehnten ihr Sommerhaus besitzt. Die Geschwister reisen nach Italien, treffen dort erstmals auf die mysteriöse Bella-Mae und müssen sich nicht nur mit den Umständen von Vics Tod auseinandersetzen, sondern auch mit allem, was sie sich selbst über ihre Familie und übereinander jahrelang schöngeredet haben.
Was mich wirklich begeistert hat: Ich bin mit der Erwartung eines mysteriösen Sommerromans mit Krimi-Einschlag reingegangen und Rachel Joyce hat mich eines Besseren belehrt. Statt eines klassischen Whodunits bekommt man etwas viel Klügeres: eine Geschichte darüber, wie viel Selbsttäuschung eine Familie über Jahre am Laufen halten kann. Bella-Mae, die anfangs wie eine Nebenfigur wirkt, entpuppt sich als brillant konstruierter Katalysator, der mit beiläufigen Fragen genau da hinstochert, wo es wehtut. Diese Figur allein macht das Buch lesenswert.
Rachel Joyce, bekannt durch „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry”, schreibt mit einer Leichtigkeit und einem Gespür für Atmosphäre, das seinesgleichen sucht. Man spürt die italienische Sommerhitze förmlich beim Lesen. Besonders stark fand ich, wie geschickt sie die Wahrheiten über Vic nach und nach freilegt, ohne dabei je in einfache Antworten zu verfallen. Man muss viele der Figuren im Verlauf des Romans neu bewerten, und genau das macht den Sog dieses Buches aus. Der Mittelteil nimmt sich zwar Zeit, um alle vier Geschwisterperspektiven auszuloten, aber diese Geduld zahlt sich im fulminanten letzten Drittel voll aus, wenn alle Puzzleteile zusammenkommen.
Mein Fazit: Ein Buch, das man am besten an einem ruhigen Urlaubstag liest, an dem man sich wirklich auf die Familie Kemp einlassen kann, denn genau dann entfaltet es seine volle Wirkung. Wer Geschichten über Geschwisterdynamiken, unausgesprochene Wahrheiten und die Frage mag, wie gut wir die Menschen kennen, die uns am nächsten stehen, findet hier ein echtes Lesehighlight. Klare Leseempfehlung für alle, die sich auf ein kluges, atmosphärisches Familiendrama einlassen wollen.