Die vielen Facetten einer Familie

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Rachel Joyces Sommerhaus erzählt eine Geschichte mitten aus dem Leben. Der 76-jährige Künstler Vic Kemp stellt seine vier Kinder vor vollendete Tatsachen und informiert sie über seine Heirat mit der 27-jährigen Bella-Mae. Goose, Iris, Susanne und Netta sind fassungslos und können den Lebenswandel ihres Vaters nicht nachvollziehen. Doch es kommt noch schlimmer: Vic stirbt kurz nach der Hochzeit, und die Kinder sehen sich plötzlich nicht nur mit einem schmerzhaften Verlust konfrontiert, sondern auch mit einer Schwiegermutter, die niemand haben wollte.

Mit ihrer bildhaften Sprache gelingt es Rachel Joyce, das komplexe Familiengeflecht zu entwirren und jeder Figur eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. Die Beziehungen zwischen den Charakteren werden dabei nicht einfach als Schwarz oder Weiss dargestellt, sondern bewegen sich in vielen Grautönen. Nach und nach entfaltet sich die Geschichte, und man versteht immer besser, warum die Dinge so gekommen sind, wie sie gekommen sind.

Für mich blieben am Ende dennoch einige Fragen offen, auf die ich gerne eine Antwort gehabt hätte. Gleichzeitig kamen Wahrheiten und Zusammenhänge ans Licht, mit denen ich nicht gerechnet hatte.

Alles in allem ist Sommerhaus ein gelungener Familienroman, der aufzeigt, dass Familie eines der kompliziertesten Geflechte unserer sozialen Strukturen ist. Es ist ein schönes Sommerbuch, das mich grösstenteils gut unterhalten hat, auch wenn einige Passagen etwas Längen aufwiesen.