Ein Sommerhaus, ein idyllischer See, viele Geheimnisse
Als ich das wunderschöne Cover von „Sommerhaus“ gesehen habe, dachte ich zunächst an einen atmosphärischen Roman über einen Sommer am italienischen See, vielleicht mit etwas Familiengeschichte und einer Prise Romantik. Auch der Klappentext schürt zunächst die Erwartung eines geheimnisvollen Dramas oder sogar eines Kriminalfalls. Tatsächlich geht Rachel Joyce jedoch einen ganz anderen Weg.
Im Mittelpunkt steht die Familie Kemp. Die vier erwachsenen Geschwister Netta, Susan, Goose und Iris verehren ihren Vater Vic beinahe bedingungslos. Als der inzwischen ältere Künstler verkündet, eine 27-jährige Frau namens Bella-Mae heiraten zu wollen, gerät dieses scheinbar stabile Familiengefüge ins Wanken. Kurz darauf stirbt Vic unter ungeklärten Umständen am Ortasee, und die Geschwister reisen in das Sommerhaus der Familie, um Antworten zu finden und endlich der geheimnisvollen Bella-Mae zu begegnen.
Was mir besonders gefallen hat, war die Art, wie Rachel Joyce ihre Figuren entwickelt. Anfangs hatte ich das Gefühl, eine relativ harmonische Familie kennenzulernen. Doch mit jeder Seite zeigen sich neue Risse in der Fassade. Die Geschwister wirken eng verbunden, aber unter der Oberfläche liegen alte Verletzungen, unausgesprochene Konflikte und festgefahrene Rollenbilder. Gerade dieser langsame Prozess des Entblätterns hat mich fasziniert. Stück für Stück wird deutlich, wie sehr alle von ihrem Vater geprägt wurden und wie stark ihre Wahrnehmung von ihm von Idealisierung bestimmt ist.
Bella-Mae ist dabei lange Zeit eher eine Projektionsfläche als eine echte Figur. Die Geschwister machen sich die wildesten Vorstellungen über sie, und auch ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, wer diese Frau eigentlich ist. Dadurch entsteht eine unterschwellige Spannung, die einen durch große Teile des Romans trägt.
Leider hatte der Roman für mich im Mittelteil einige deutliche Längen. Über weite Strecken zog sich die Handlung hin. Zwar sind diese Szenen wichtig für die Entwicklung der Figuren, dennoch hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass sich manche Konflikte wiederholen und die Handlung etwas auf der Stelle tritt. Gerade auf knapp 500 Seiten hätte ich mir hier stellenweise etwas mehr Straffung gewünscht.
Trotzdem hat sich das Durchhalten für mich gelohnt. Denn im letzten Drittel entfaltet der Roman seine eigentliche Stärke. Was zunächst wie eine Geschichte über eine verdächtige junge Ehefrau beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer klugen Betrachtung über Familie, Erinnerung, Selbsttäuschung und die Frage, wie gut wir die Menschen kennen, die uns am nächsten stehen. Besonders beeindruckt hat mich, wie Rachel Joyce die Wahrheiten über Vic nach und nach freilegt, ohne dabei einfache Antworten zu liefern. Viele Figuren musste ich im Verlauf des Romans mehrfach neu bewerten.
Der Schreibstil liest sich angenehm und flüssig. Gleichzeitig gelingt es der Autorin, eine dichte Atmosphäre rund um den Ortasee und das Sommerhaus zu schaffen. Die sommerliche Kulisse bildet einen interessanten Kontrast zu den oft schmerzhaften Enthüllungen innerhalb der Familie.
„Sommerhaus“ ist deshalb kein leichter Sommerroman und auch kein klassischer Krimi, obwohl die Geschichte zeitweise in diese Richtung weist. Vielmehr ist es ein Familienroman über Abhängigkeiten, Lebenslügen und die schwierige Frage, was von einer Familie übrig bleibt, wenn die Person, die alles zusammengehalten hat, plötzlich nicht mehr da ist. Wer komplexe Figuren und psychologisch gezeichnete Familiengeschichten mag, wird hier viel entdecken. Trotz der Längen im Mittelteil hat mich das Buch insgesamt überzeugt.
Im Mittelpunkt steht die Familie Kemp. Die vier erwachsenen Geschwister Netta, Susan, Goose und Iris verehren ihren Vater Vic beinahe bedingungslos. Als der inzwischen ältere Künstler verkündet, eine 27-jährige Frau namens Bella-Mae heiraten zu wollen, gerät dieses scheinbar stabile Familiengefüge ins Wanken. Kurz darauf stirbt Vic unter ungeklärten Umständen am Ortasee, und die Geschwister reisen in das Sommerhaus der Familie, um Antworten zu finden und endlich der geheimnisvollen Bella-Mae zu begegnen.
Was mir besonders gefallen hat, war die Art, wie Rachel Joyce ihre Figuren entwickelt. Anfangs hatte ich das Gefühl, eine relativ harmonische Familie kennenzulernen. Doch mit jeder Seite zeigen sich neue Risse in der Fassade. Die Geschwister wirken eng verbunden, aber unter der Oberfläche liegen alte Verletzungen, unausgesprochene Konflikte und festgefahrene Rollenbilder. Gerade dieser langsame Prozess des Entblätterns hat mich fasziniert. Stück für Stück wird deutlich, wie sehr alle von ihrem Vater geprägt wurden und wie stark ihre Wahrnehmung von ihm von Idealisierung bestimmt ist.
Bella-Mae ist dabei lange Zeit eher eine Projektionsfläche als eine echte Figur. Die Geschwister machen sich die wildesten Vorstellungen über sie, und auch ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, wer diese Frau eigentlich ist. Dadurch entsteht eine unterschwellige Spannung, die einen durch große Teile des Romans trägt.
Leider hatte der Roman für mich im Mittelteil einige deutliche Längen. Über weite Strecken zog sich die Handlung hin. Zwar sind diese Szenen wichtig für die Entwicklung der Figuren, dennoch hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass sich manche Konflikte wiederholen und die Handlung etwas auf der Stelle tritt. Gerade auf knapp 500 Seiten hätte ich mir hier stellenweise etwas mehr Straffung gewünscht.
Trotzdem hat sich das Durchhalten für mich gelohnt. Denn im letzten Drittel entfaltet der Roman seine eigentliche Stärke. Was zunächst wie eine Geschichte über eine verdächtige junge Ehefrau beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer klugen Betrachtung über Familie, Erinnerung, Selbsttäuschung und die Frage, wie gut wir die Menschen kennen, die uns am nächsten stehen. Besonders beeindruckt hat mich, wie Rachel Joyce die Wahrheiten über Vic nach und nach freilegt, ohne dabei einfache Antworten zu liefern. Viele Figuren musste ich im Verlauf des Romans mehrfach neu bewerten.
Der Schreibstil liest sich angenehm und flüssig. Gleichzeitig gelingt es der Autorin, eine dichte Atmosphäre rund um den Ortasee und das Sommerhaus zu schaffen. Die sommerliche Kulisse bildet einen interessanten Kontrast zu den oft schmerzhaften Enthüllungen innerhalb der Familie.
„Sommerhaus“ ist deshalb kein leichter Sommerroman und auch kein klassischer Krimi, obwohl die Geschichte zeitweise in diese Richtung weist. Vielmehr ist es ein Familienroman über Abhängigkeiten, Lebenslügen und die schwierige Frage, was von einer Familie übrig bleibt, wenn die Person, die alles zusammengehalten hat, plötzlich nicht mehr da ist. Wer komplexe Figuren und psychologisch gezeichnete Familiengeschichten mag, wird hier viel entdecken. Trotz der Längen im Mittelteil hat mich das Buch insgesamt überzeugt.