Familiäre Verstrickungen am schönen Ortasee

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venenorojo Avatar

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Wie schon am Cover zu sehen und am Titel zu hören, spielt dieser Roman hauptsächlich am schönen Ortasee in Italien. Genauer gesagt im Sommerhaus des britischen Malers Vic Kemp, der im hohen Alter noch einmal die große Liebe für sich entdeckt und seine vier erwachsenen Kinder wissen lässt, dass er die 27jährige Bella-Mae heiraten möchte. Die eigenen Kinder, die eigentlich immer dem folgen, was die älteste Schwester Netta vorgibt, halten es für eine Phase und ignorieren ihren Vater vorerst, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen. Doch dann erhält die zweitälteste, Susan, einen Anruf: Ihr Vater ist im See ertrunken. Neben all der Trauer, die der Roman widerspiegelt, fängt die Geschichte genau an der Stelle an, spannend zu werden. Jedes der Kinder hat seine Position in der Familie, seine Aufgabe, wurde von Kind auf in eine bestimmte Ecke gedrängt oder hat sich dorthin begeben. Netta hat nach dem Tod der Mutter früh gelernt, die Entscheidungen zu treffen. Susan kocht leidenschaftlich gerne und möchte so gerne mal etwas anderes sein, als die ewig Zweite. Goose, eigentlich Gustav, ist ein wenig die verlorene Seele, die im Hintergrund steht und dafür sorgt, dass alles seinen Weg geht. Er hält vieles am Laufen, ohne sich dessen bewusst zu sein, und fühlt sich ohne die Schwestern und den Vater doch verloren. Iris, die jüngste der Geschwister, wurde als einzige vom Vater porträtiert, weil sie so gut "still sitzen" kann, weshalb sie auch immer ihre Nische findet und nie auffällig wird. Doch der Tod des Vaters lässt die Kinder nicht nur das Bild des Vaters hinterfragen, sondern auch ihre eigene Position, ihr eigenes Leben, und Bella-Mae bringt vieles in Bewegung.
Leider ist das Buch an einigen Stellen etwas arg langatmig. Nichts desto trotz handelt es sich um einen großartigen gesellschaftskritischen Roman, der den Leser bzw. die Leserin selbst ins Grübeln bringt. Wo steht man im eigenen Leben, und wieso eigentlich? Wie sehen wir Menschen, die in unserem Leben eine Rolle spielen? Es gibt keine Quintessenz am Ende des Romans, aber dennoch ein Ende, mit dem man gut leben kann. Auch gibt es immer wieder kleine wertvolle Anmerkungen und Gedanken, und sie zu verfolgen lohnt sich sehr. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.