Komplexes Familiendrama

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matheelfe Avatar

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„...Bis zu jenem schicksalhaften Sommer wusste er nicht, dass man so lachen und gleichzeitig so traurig sein konnte…“

Der Satz stammt aus dem Prolog des Buches. Er weist auf den Kernpunkt der Geschichte hin.
Die Autorin hat eine bewegende Familiengeschichte geschrieben. Der Schriftstil ist von gehobener Art. Manchmal wird die Handlung gekonnt verdichtet, manchmal läuft sie so langsam, dass man sich eine Straffung wünschen würde.
Vic Kemp hat nach dem Tode seiner Frau seine Kinder allein großgezogen. Er ist es, der die Familie zusammenhält und mit 70 Jahren nach wie vor die Fäden zieht. Er sieht sich als Künstler und duldet keine Konkurrenz neben sich.
Der erste Riss kommt, als Vic eine 27jährige Frau kennenlernt und diese heiraten will. Er reist mit ihr nach Italien ins Sommerhaus. Wenig später ist er tot.
Die Geschwister treffen sich im Sommerhaus. Dort sehen sie das erste Mal die Frau des Vaters. Sie ist für mich nicht mehr als eine stille Beobachterin. Trotzdem ist sie die Ursache dafür, dass jetzt Familienkonflikte offen aufbrechen. Was jahrelang verschüttet war, tritt nun zutage. Netta, die Älteste, bringt es auf den Punkt.

„...Wir sind wie Vögel in einem Nest, dachte sie. Wir wollen unsere Geschwister lieben, aber wir müssen sie irgendwann aus dem Nest stoßen. Ich will bei ihnen sein und kann es nicht…“

Solange der Vater lebte, hat keiner aufbegehrt. Jetzt aber zeigt sich, wie unterschiedlich die Geschwister sind und welche Spuren das Verhalten des Vaters bei jedem Einzelnen hinterlassen hat. Wird es einen Neuanfang geben? Lassen sich die offenen Wunden kitten?
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.