Konfliktreiche Familiengeschichte

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martinchen Avatar

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Der weltberühmte Künstler Vic Kemp ist nach dem frühen Tod seiner Frau eng mit seinen vier Kindern verbunden. Als er ihnen eine große Neuigkeit verkünden will, treffen sie sich sofort mit ihm. Vic will die 27-jährige Bella-Mae heiraten, die jünger ist als sein jüngstes Kind. Kurz darauf ertrinkt er in einem See. Die Geschwister geben Bella-Mae die Schuld, doch ist es wirklich so?

Sehr detailliert und ausführlich stellt Rachel Joyce die vier Geschwister Netta, Susan, Goose und Iris vor. Netta ist die älteste und intelligenteste der vier. Sie lebt nach ihrer Scheidung allein. Susan, nur ein knappes Jahr jünger, verheiratet, hat ihren Traum für die Ehe aufgegeben. Goose hat die Kunst aufgegeben, warum bleibt lange ein Geheimnis. Iris, die jüngste, fühlt sich schuldig am Tod ihrer Mutter. Sie ist das einzige Kind, das vom Vater gemalt wurde, eine Besonderheit, die ihr ihre Geschwister neiden. Ihre Sehnsüchte und ihre Gefühle werden im Verlauf der Geschichte deutlich.
Im Gegensatz wirkt Bella-Mae eher geheimnisvoll, denn sie tritt erst spät in Erscheinung. Die Geschwister haben viele Fragen an sie, doch Bella-Mae gelingt es, den Fragen auszuweichen und ihrerseits Fragen zu stellen, Fragen, die die Geschwister nicht gefallen können.

Erst der Tod des Vaters und Bella-Maes Fragen lassen die bis dahin verborgene Familiengeschichte ans Licht kommen.

In einem gut lesbaren Stil wird diese Familiengeschichte in ihren vielen Fassetten lebendig. Die komplizierten Verhältnisse der vier Geschwister untereinander und mit ihrem Vater sind erkennbar, zunächst eher unterschwellig. Die Atmosphäre am Ortasee in diesem heißen Sommer in der schönen, aber etwas heruntergekommenen Villa wird sehr gut beschrieben, direkt und indirekt.
Das Cover spiegelt diese Atmosphäre in meinen Augen sehr gelungen wider.

Der Roman wurde von Karl-Heinz Ebnet übersetzt.

Es ist mein erster Roman von Rachel Joyce, wird aber nicht der einzige bleiben.

Fazit: eine spannende Auseinandersetzung mit einer komplizierten Familiengeschichte – eine Leseempfehlung