Sein letztes Bild

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owenmeany Avatar

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Eine ländliche Idylle in Italien suggeriert das Titelbild, einen Thriller stellt der Klappentext in Aussicht, und knapp nach der Hälfte des Buchs wurde ich mir der Irreführung bewusst. In der Tat handelt es sich um die Auswirkungen einer Familientragödie, zu deren später Aufarbeitung die mysteriöse Bella-Mae nur das notwendige Reagens darstellt.

Diese geheimnisumwitterte, aber dauernd erwähnte Person taucht erst auf Seite 218 leibhaftig auf. Bis dahin habe ich mich durch eine Exposition durchgearbeitet, während der die vier erwachsenen Kinder die neue Partnerschaft des Künstlervaters erregt diskutieren. In diese Phase fädelt Joyce Rückblenden und Charakterisierungen ein, die das bohemienhafte Leben unter der Obhut wechselnder Au-pair-Mädchen darstellen. Offensichtlich schweißte das die Geschwister felsenfest aneinander.

Mit dem Tod des Vaters kommt Bewegung ins Spiel. Sehr überzeugend finde ich die Szene, in der Susan im Schuhgeschäft auf ihrem Handy die Hiobsbotschaft empfängt mit all den damit verbundenen zwiespältigen Empfindungen, die das liebevolle Verhältnis zu Netta, Gustav und Iris in eine spezielle Dynamik versetzen. Geheimnisvolle Andeutungen greifen vor und machen neugierig.

Über den Mordverdacht geraten die Nachkommen in Streit; die bisher anrührend harmonische Stimmung kippt, als der eine oder die andere dem Charisma Bella-Maes und ihres undurchsichtigen Cousins Laszlo erliegen. Alte Geschichten kommen auf den Tisch, aber Joyce erzeugt auch Spannung durch bedeutungsvolle Hinweise. Bis dahin fand ich den reinen Unterhaltungswert des Buchs mittelmäßig, denn an äußerer Handlung passiert nicht viel, das meiste tritt zutage in kammerspielartigen Dialogen.

Aber wie die Autorin letztendlich die Kurve kriegt, gemahnt mich an Julian Barnes, den ich auch gerade für solche erhellenden Momente durch Perspektivwechsel verehre. Schließlich entlarvt sie nämlich die Lebenslügen aller beteiligten Individuen, die in ihrer Gesamtheit der einen großen des scheinbar allmächtigen Vaters entspringen. Und auf die große Frage "Was bleibt, wenn all das wie ein Kartenhaus zusammenfällt?" enthält sich uns zum Glück die Antwort keineswegs vor.