The Heat is on
Mit Harold Frys Reise hatte Rachel Joyce sich in die Bestsellerlisten geschrieben, doch erst mit „Miss Bensons Reise“ habe ich sie kennengelernt. Nun erscheint mit „Sommerhaus“ ihr neuer Roman.
Worum es geht, sei knapp umrissen: Der berühmte Vic Kemp hat sich verliebt und wird heiraten. So weit, so unspektakulär – doch er ist 76 Jahre alt, seine Braut 27 (kennengelernt ganz zeitgemäß per Dating-App) und seine vier Kinder, die er über die Hochzeit informiert, älter als sie. Auch bis hier könnte man noch sagen: kurze Fassungslosigkeit ist klar, aber sonst übliche Story, doch nein, denn Vic hatte seine Kinder „einbestellt“ und kurz darauf ist er unter seltsamen Umständen tot. Die Geschwister haben Fragen … natürlich und vor allem an die Braut, die jedoch den Spieß umdreht.
Mehr sei nicht verraten, was aber auch nicht nötig ist, denn nein, „Sommerhaus“ ist kein Krimi, auch wenn es nach der Skizze oben so scheinen könnte und auch wenn eine unterschwellige Spannung, was da vorging, vorhanden ist. Vielmehr ist die Geschichte die einer merkwürdigen Familie und einer Reise, auch wenn sie dieses Mal nicht im Titel steht – einer Reise zu sich selbst und einem Familienkonstrukt. Natürlich verdächtigen die Geschwister zunächst die Braut Bella-Mae, die Ursache für Vics überraschenden Tod zu sein, sie kann es doch nur auf Vics Geld abgesehen haben. Doch je länger Bella-Mae und die Geschwister sich austauschen, desto klarer wird, wie seltsam das Konstrukt der Familie Kemp nach dem Tod der Mutter war: getragen von einem mit überbordendem Selbstbewusstsein gesegneten Künstler, der sowohl exzentrische als auch durchaus destruktive Züge hatte, mit einer ältesten Tochter, die ein wenig die Mutterrolle einnimmt und die „Küken“ verteidigt (insofern sehr passend, dass sie Anwältin ist). Es sind diese Kleinigkeiten und die Art, wie Joyce sich die Geschichte entfalten lässt, ein wenig wie eine (knittrige) Landkarte, die man auf einem Tisch nach und nach glattstreicht und so Details erkennt. Insofern passt es gut, dass die Geschichte in der flirrenden Hitze im alten Sommerhaus am Ortasee, wo Erinnerungen hochkommen (übrigens auch bei mir), verortet ist. Dieser Part trägt viel zur Atmosphäre bei, nimmt aber auch viel Erzählzeit ein, sodass es schon die eine oder andere Länge auf den beinah 500 Seiten gibt. Erzählt wird in leicht und flüssig, aber nicht zu simpel lesbarem Schreibstil, Joyces üblichem „Plauderton“. Die beackerten Themen sind klar: Familie, man sieht in der Regel nur die Fassade, es geht um das Wesentliche im Leben (und was das ist). Alles in allem ist „Sommerhaus“ eine meist unterhaltsame Lektüre mit kleinen Schwächen (einzelne Längen und die eine oder andere „Aufgesetztheit“).
Worum es geht, sei knapp umrissen: Der berühmte Vic Kemp hat sich verliebt und wird heiraten. So weit, so unspektakulär – doch er ist 76 Jahre alt, seine Braut 27 (kennengelernt ganz zeitgemäß per Dating-App) und seine vier Kinder, die er über die Hochzeit informiert, älter als sie. Auch bis hier könnte man noch sagen: kurze Fassungslosigkeit ist klar, aber sonst übliche Story, doch nein, denn Vic hatte seine Kinder „einbestellt“ und kurz darauf ist er unter seltsamen Umständen tot. Die Geschwister haben Fragen … natürlich und vor allem an die Braut, die jedoch den Spieß umdreht.
Mehr sei nicht verraten, was aber auch nicht nötig ist, denn nein, „Sommerhaus“ ist kein Krimi, auch wenn es nach der Skizze oben so scheinen könnte und auch wenn eine unterschwellige Spannung, was da vorging, vorhanden ist. Vielmehr ist die Geschichte die einer merkwürdigen Familie und einer Reise, auch wenn sie dieses Mal nicht im Titel steht – einer Reise zu sich selbst und einem Familienkonstrukt. Natürlich verdächtigen die Geschwister zunächst die Braut Bella-Mae, die Ursache für Vics überraschenden Tod zu sein, sie kann es doch nur auf Vics Geld abgesehen haben. Doch je länger Bella-Mae und die Geschwister sich austauschen, desto klarer wird, wie seltsam das Konstrukt der Familie Kemp nach dem Tod der Mutter war: getragen von einem mit überbordendem Selbstbewusstsein gesegneten Künstler, der sowohl exzentrische als auch durchaus destruktive Züge hatte, mit einer ältesten Tochter, die ein wenig die Mutterrolle einnimmt und die „Küken“ verteidigt (insofern sehr passend, dass sie Anwältin ist). Es sind diese Kleinigkeiten und die Art, wie Joyce sich die Geschichte entfalten lässt, ein wenig wie eine (knittrige) Landkarte, die man auf einem Tisch nach und nach glattstreicht und so Details erkennt. Insofern passt es gut, dass die Geschichte in der flirrenden Hitze im alten Sommerhaus am Ortasee, wo Erinnerungen hochkommen (übrigens auch bei mir), verortet ist. Dieser Part trägt viel zur Atmosphäre bei, nimmt aber auch viel Erzählzeit ein, sodass es schon die eine oder andere Länge auf den beinah 500 Seiten gibt. Erzählt wird in leicht und flüssig, aber nicht zu simpel lesbarem Schreibstil, Joyces üblichem „Plauderton“. Die beackerten Themen sind klar: Familie, man sieht in der Regel nur die Fassade, es geht um das Wesentliche im Leben (und was das ist). Alles in allem ist „Sommerhaus“ eine meist unterhaltsame Lektüre mit kleinen Schwächen (einzelne Längen und die eine oder andere „Aufgesetztheit“).