lange Handlung und wenig romance, aber dafür viel Musik

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
der_ull Avatar

Von

Leider konnte mich "Songs of the Void" von Anne Lück nicht so ganz überzeugen, auch wenn es insgesamt ein gutes Buch war.
Das Cover finde ich fantastisch, das Motiv und die Farben sind toll gewählt und erzeugen direkt eine spannende, düstere Atmosphäre. Ein weiterer Pluspunkt ist für mich natürlich der Farbschnitt, auch wenn dessen eigentliche Gestaltung eher langweilig ist und für mich auch nicht so richtig einen Bezug zum Buch hat.
Der Schreibstil von Anne Lück ist flüssig und modern, ich kam sehr gut durch die Seiten und fand auch die Beschreibungen gut getroffen, sodass ich mir alles gut vorstellen konnte.
Nicht mehr so überzeugt bin ich dann aber beim Inhalt ... Grundsätzlich finde ich die Idee echt cool und mag auch das Setting. Nur fehlt mir irgendwie das gewisse Etwas. Die Handlung empfand ich als sehr lang, die wichtigen, spannenden Dinge hatten immer sehr große Abstände und dazwischen ist für mich gefühlt nichts passiert. Es wurde immer sehr lange und ausschweifend über Alizes Leben und vor allem ihre Arbeit auch mit den anderen Künstlern berichtet. Und dieser Teil hat mich eben einfach nicht so interessiert. Ich weiß, dass das auch irgendwie zur Story und dem Geheimnissvollen gehört, aber dadurch, dass Alize sehr lange im Dunkeln tappt, was die Band, die Schatten und das ganze drum herum angeht, drehen sich ihre Gedanken sehr oft im Kreis. Ich glaube, ich habe noch nie so oft den Satz "Was passiert hier?" in einem Buch gelesen. Außerdem hat das Buch für mich auch einfach ein bisschen zu wenig romance. Die meiste Zeit sind die einzigen Gefühle Erschöpfung, Verwirrung und die, die Alize beim Anhören von Musik fühlt. Erst ganz am Ende kommt langsam so etwas wie eine Lovestory durch und das war für meinen Geschmack einfach etwas zu wenig. Sieht ja aber jeder anders.
Zu den Figuren würde ich vielleicht noch sagen, dass mir eigentlich alle ganz sympathisch waren. Alize ist eine nette Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt, und ich mochte, dass sie sich nicht unterkriegen lässt, obwohl sie es durch ihre Behinderung und ihr Geschlecht schwer in ihrer Branche hat. Die paar Kapitel aus Echos Sicht haben mir besonders gut gefallen, weil sie einfach nochmal dieses besondere Feeling hatten. Trotzdem fand ich, dass die einzelnen Figuren nicht so viel Tiefe und Hintergrund hatten, was vielleicht auch daran lag, dass es einfach verdammt viele Nebencharaktere gibt, wovon manche auch nur einmal kurz erwähnt werden.
Und auch wenn Band 1 mit einem echt fiesen Cliffhanger endet, weiß ich nicht, ob ich es so spannend fand, dass ich unbedingt Band 2 brauche und wissen muss, wie es ausgeht. Ich denke eher nicht. Trotzdem würde ich "Songs of the Void" weiterempfehlen, wenn man eben das Thema, sowie die düstere und geheimnisvolle Stimmung, mag und nicht allzu großen Wert auf die Lovestory legt. Vielleicht kommt das ja auch noch im zweiten Band, wer weiß. Mein Fall war es aber leider nicht so ganz.