Reise in die Tiefe der Erinnerungen

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nina2401 Avatar

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Carsten Henn hat mit Sonnenaufgang Nr. 5 einen warmherzigen und poetischen Roman geschrieben. Es geht um große Themen wie Verlust, Erinnerung, Freundschaft und Mut zur Wahrheit. Das alles hat Carsten Henn in eine bewegende Geschichte verpackt, die einerseits leicht zugänglich, aber gleichzeitig auch tiefgründig ist.

Im Zentrum steht der junge Jonas, der als Ghostwriter die Erinnerungen der alten Filmdiva Stella Dor festhalten soll. Was zunächst nach einer nüchternen Biografie klingt, entwickelt sich zu einer emotionalen Reise in die Vergangenheit – nicht nur für Stella, sondern auch für Jonas selbst.

Jonas erkennt, dass Erinnerungen nicht immer bloße Fakten sind, sondern lebendige, manchmal schmerzhafte Begleiter. Stella beschönigt oder verdrängt vieles, aber gerade das zeigt, wie sehr wir Menschen von unseren eigenen Geschichten beeinflusst und geprägt werden. Jonas muss sich dabei seinen eigenen Wunden stellen, lernt aber auch, dass Akzeptanz und Vergebung zu innerem Wachstum führen können.

Carsten Henn schreibt leise und poetisch. Sein Schreibstil ist von einer einfühlsamen Melancholie durchzogen, die nie ins Sentimentale abdriftet. Dabei wirken seine Figuren authentisch mit all ihren Ängsten, Fehlern und Hoffnungen. Besonders gemocht habe ich die Alltagsszenen und inneren Wandlungen, die Carsten Henn mit einem feinen Sinn für die kleinen Details erzählt.

Fazit: Ein feines leises Buch, ein stiller, wunderschöner Roman über das Leben, das Loslassen und den Mut, sich selbst zu begegnen.