Ein vielschichtiges Zeitporträt zwischen Kaiserstuhl, Aufbegehren und Altlasten

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eileen.3110 Avatar

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Brigitte Glasers Roman „Sonnenberg“ punktet ab der ersten Seite mit enormer atmosphärischer Dichte und wirft den Leser direkt in die gesellschaftlichen und familiären Umbrüche des Jahres 1975. Die verwebte Geschichte rund um die junge Winzerin Johanna und ihre aus Marokko zurückkehrende Freundin Luzie fängt den Mief und den Widerstandsgeist der 70er-Jahre hervorragend ein.

Was mir richtig gut gefällt:
Keine Längen: Man wird ohne langes Vorgeplänkel direkt in die existenziellen Sorgen der Hofübernahme, die Proteste gegen das Kernkraftwerk Wyhl und den staubigen Marokko-Grip geworfen.

Treffsichere Zeitgeist-Vibes: Ob die spürbare Arroganz der Dorf-Banken gegenüber einer alleinwirtschaftenden Frau, der Mief alter Mansarden-WGs oder die politischen Debatten – der Ton sitzt perfekt.

Starke Kontraste: Der Wechsel zwischen Johannas hartem Kampf um den heimischen Weinbau und Luzies trägem, drogenvernebeltem Hippie-Abschied in Marokko bringt eine unheimlich spannende Dynamik.

Mein kritischer Blick:
Perspektiven-Overload: Durch die schnellen Schnitte zwischen Schwarzwald-Winzern, Bankterminen, Marokko-Trips und Freiburger Studentenszene prasseln zu Beginn sehr viele Handlungsstränge parallel auf einen ein. Mein

Fazit:
Ein atmosphärisch extrem dichter und packender Epochen-Auftakt mit absolut greifbarer Substanz. Wer charakterzentrierte Zeitreisen, starke Frauenfiguren und reale Lokalkolorit-Konflikte schätzt, findet hier einen verdammt starken Roman.