Freundschaft und Zusammenhalt in der Zeit des Wyhler Widerstandes - interessant und spannend.

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"Mit Ärger rückte Luzie immer erst heraus, wenn es nicht mehr anders ging. Zudem gab es für sie wohl keinen anderen Ort, wo sie bleiben konnte."
Und so landet Luzie am Kaiserstuhl, bei ihrer besten Freundin Johanna. Doch sind sie noch Freundinnen? Nach dem Tod ihres Vaters konnte Johanna nicht weiterstudieren. Schwanger mit einem unehelichen Kind ist sie an den den heimatlichen Hof zurückgekehrt und übernahm den elterlichen Winzerbetrieb. Und Luzie machte die gemeinsam geplante Marokkoreise alleine, kehrt nach über einem Jahr zu Johanna zurück. Doch Luzie hat sich in Schwierigkeiten gebracht und versteckt sich bei Johanna, ohne sie einzuweihen.
Auch Johanna kämpft. Als Frau, noch dazu mit einem Kind ohne Vater, wird sie nicht für voll genommen. Ihre Arbeitskraft zählt nur halb, und als sie die Möglichkeit hat, einen Weingarten in bester Lage am Sonnenberg zu kaufen, sieht es aus, als wäre sie nicht kreditwürdig. Nicht, weil sie nicht wirtschaftlich arbeitet oder den Kredit nicht bedienen könnte, sondern einfach weil sie eine Frau ist.
Diese schon interessante Geschichte spielt auf einer großen Bühne: Wyhl 1975, der Kampf gegen das Kernkraftwerk, die Besetzung des Wyhler Waldes, die Räumung, ... Aber auch der Zusammenhalt, das Aufstehen der Kleinen und der Widerstand, der durch Frauen gestützt wird.
Mich hat die Geschichte rund um den Sonnenberg regelrecht mitgerissen und in der Zeit zurückgeworfen. In eine ruhigere, in der man nicht am Handy binnen Sekunden Informationen beschaffen und sich vernetzen kann. Wyhl war der Beginn der Anti-Atomkraft-Bewegung. Großteils friedfertig, aber hartnäckig, haben sich die Menschen zusammengeschlossen, um den Bau des KKWs zu verhindern. Die Argumente der Politik sind den heutigen sehr ähnlich, ebenso wie das Herunterspielen der Rolle der Frauen, was ich beim Lesen sehr bedrückend empfand.
Ich wurde nach der Bewegung geboren und hatte wenig Information zu der Protestbewegung damals. Aber auch ich bin noch ohne Handy und Internet aufgewachsen, deshalb kann ich mir die Kommunikationswege damals, die Alarmierung über die Feuerwehrsirene, das langsame Durchsickern von Informationen noch gut vorstellen. Und ich habe durch den Roman nicht nur mehr über einen wichtigen historischen Abschnitt erfahren, sondern auch eine Ahnung der Kraft und des Zusammenhaltes der Bevölkerung damals, die viel bewirkt hat, bekommen.
Brigitte Glaser hat für mich mit "Sonnenberg" auf voller Linie gepunktet: Ein interessanter historischer Hintergrund, den Zeitgeist perfekt eingefangen, das Bild der Frau damals gut nachgezeichnet und mit der Freundschaft von Johanna und Luzie und vor allem Luzies Zwiespalt eine spannende Geschichte erzählt.
Fazit:
Freundschaft und Zusammenhalt in der Zeit des Wyhler Widerstandes - interessant und spannend.