Nai hämmer gsait – Eine Zeitreise

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elke17 Avatar

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Als ich die Verlagsankündigung von Brigitte Glasers neuem Roman „Sonnenberg“ gelesen habe, war er mir sofort klar, dass dieses Buch ein must-read für mich ist, sind doch die Ereignisse rund um das geplante AKW in Wyhl ein wesentlicher Baustein in meiner politischen Biografie. Gleicher Jahrgang wie die Autorin, ähnliches Studienfach (Uni Tübingen) sowie das Hinterfragen gesellschaftlicher Strukturen und familiärer Erwartungen. Herkunft, Klassismus, Rolle der Frau, aufkommendes Umweltbewusstsein, lauter Themen, mit denen viele weibliche Erstsemester konfrontiert wurden. Zwischen HB und Roth Händle, Alice Schwarzer und Jim Morrison standen die Zeichen auf Veränderung.

Brigitte Glaser erinnert an die Wochen Anfang 1975, als die Landesregierung in Ba-Wü beschließt, ein Atomkraftwerk mitten in der ökologisch intakte Landschaft des Kaiserstuhls zu bauen und damit nicht nur die Natur ,sondern auch die Lebensgrundlage der dortigen Winzer und Bauern zu gefährden, ja zu zerstören. Unterstützt von breiten Teilen quer durch die - im Wesentlichen süddeutsche - Bevölkerung formiert sich allmählich der gewaltlose Widerstand der „normalen“ Menschen. Frauen und Männer, quer durch alle Bevölkerungsschichten, besetzen den Platz, werden von der Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken vertrieben, kassieren Anklagen wegen Landfriedensbruch, kommen wieder und besetzen erneut, waren doch die Elsässer auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins mit ihrem Widerstand gegen das geplante Bleiwerk ebenfalls erfolgreich.

Die Rahmenhandlung für diese Ereignisse bildet die Geschichte der beiden Freundinnen Johanna und Luzie, die sich schlussendlich der Protestbewegung anschließen. Johanna, verantwortungsvoll, mit beiden Beinen auf der Erde und eher zögerlich, Luzie, spontan und flatterhaft, die sich mit einer unüberlegten Aktion erpressbar macht und, um einer Strafe zu entgehen, vom Staatsschutz rekrutieren lässt.

Die Autorin hat, wie wir es von ihr kennen, sehr gute Recherchearbeit geleistet, was auch die Quellenliste im Anhang beweist. Durch das passende Einfügen von Konsumgütern, Markennamen sowie Song- und Filmtiteln mit hohem Wiedererkennungswert ergibt sich zusätzlich ein stimmiges Zeitkolorit, das Leserinnen und Leser auf eine Zeitreise mitnimmt, in der die Anfänge der Umweltschutz-Bewegung gelegt wurden. Sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Land interessieren.