Starke Frauen

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hoelzchen Avatar

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Die Älteren von uns, können sich noch an die Protestbewegungen gegen den Bau von Atomkraftwerken erinnern. Wer kennt ihn nicht, diesen gelben Sticker „Atomkraft – Nein danke“, der auf jede Jacke gehörte. In ihrem neuen Roman nimmt sich Brigitte Glaser nun diesem Thema an, um somit auch den jüngeren Generationen einen Einblick auf ein Stück Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu gewähren. Die beiden Protagonistinnen sind Johanna und Luzie, zwei junge Frauen, die seit der Schulzeit beste Freundinnen sind und das obwohl sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen. Damals tatsächlich nicht selbstverständlich. Gleiches gesellte sich zu Gleichem, so die Devise, aber die jüngeren Generationen, scherrten sich nicht darum und gingen ihren Weg. Beide begannen nach dem Abitur ein Studium. Johanna brach ihres ab, der frühe Tod ihres Vaters zwang sie dazu, das Weingut zu übernehmen. Zudem wurde sie schwanger und versorgt nun ein Kleinkind als Ledige und Single, kann aber auf die Unterstützung ihrer Mutter und Großmutter vertrauen. Luzie hat ihr Studium unterbrochen und war ein Jahr in Marokko, angeblich um dort studienrelevante Erkenntnisse zu erhalten, aber es war wohl eher ein Sabbatjahr. Nun ist sie zurückgekehrt, mit Cannabis im Gepäck, was ihr nun Probleme bereitet. Luzies Vater ist Jurist und die Familie legt Wert auf ihren Status. Luzie hält, soweit es geht, Distanz zu ihren Eltern. Sie versucht ihr Problem anderweitig zu lösen, was die Sache aber auch nicht besser macht. Mit ihrer Ankunft in Deutschland, nimmt die Antiatomkraftbewegung an Fahrt auf und die beiden Freundinnen engagieren sich und schließen sich dem Protest an. Brigitte Glaser beschränkt sich in ihrem Roman auf die ersten drei Monate des Jahres 1975. Die Gründe dafür erläutert sie in ihrem Nachwort. In diesem fiktiven Roman lässt sie wahre Ereignisse einfließen. Der Zeitgeist wird sehr authentisch abgebildet und schnell stellt sich eine Nähe zu den Figuren ein. Das Hörbuch wurde von Ulrike Kapfer eingelesen, eine gute Wahl wie ich finde. Als einzige Schwierigkeit empfand ich die Rückblenden, die ohne Ankündigung verwoben sind, diese sind in der Buchausgabe vermutlich besser erkennbar. Zudem hätte ich mir an einigen Stellen etwas mehr Tempo gewünscht. Die Beschreibungen waren sehr detailreich und mir manchmal zu langatmig. Dennoch hat mir der Roman sehr gut gefallen. Zeigt er doch viele Hintergründe auf und macht deutlich, dass die Protestierenden nicht nur aus Hippies und Studierenden bestanden, sondern alle Gesellschaftsschichten Widerstand leisteten. Nach den konservativen Anfangsjahren der BRD zeigte sich, nach den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre, nun erstmals eine Protestbewegung aus allen Bevölkerungsteilen und die demokratischen Rechte wurden gelebt. Dank an die Autorin, dass sie uns diese spannende Zeit näherbringen konnte.