Widerstand aus weiblicher Sicht

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Die kleine Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl erlangte in den 1970er Jahren Berühmtheit, als Bürgerinitiativen gegen das dort geplante Kernkraftwerk entstanden und die Einwohner durch zahlreiche Demonstrationen und Platzbesetzungen ihren Widerstand kundtaten – mit Erfolg, denn die Bauarbeiten wurden 1977 endgültig eingestellt.
Von dieser turbulenten Zeit berichtet Brigitte Glaser in ihrem neuen Roman „Sonnenberg“, und zwar aus weiblicher Perspektive. Im Zentrum des Geschehens stehen die Freundinnen Johanna und Luzie. Die alleinerziehende Johanna, die als erste in der Familie Abitur gemacht und studiert hat, kehrt nach dem plötzlichen Tod des Vaters auf das elterliche Weingut zurück und versucht, aller Widrigkeiten zum Trotz, Fuß zu fassen in einer von patriarchalischen Strukturen geprägten Geschäftswelt. Luzie hingegen hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Im Rahmen ihres Studiums hat sie ein Jahr in Marokko verbracht, wo sie zum Aufstand der Rifkabylen, eines Berber-Volkes, geforscht und dort mehr oder weniger in den Tag hineingelebt hat. Die Freundinnen, die den Kontakt zueinander verloren haben, nähern sich nach Luzies Rückkehr nach und nach durch ihre gemeinsame Arbeit für den Widerstand wieder aneinander an. In der erzählten Zeit von Januar bis März 1975 erfahren die Lesenden sehr ausführlich, wie die Bürgerinitiativen gearbeitet haben und vor welche Herausforderungen sie gestellt wurden, alles gewürzt mit einer guten Prise Lokalkolorit und parallel zur Geschichte der beiden Freundinnen.
Und genau dies ist auch mein Kritikpunkt, denn meiner Meinung nach wird hier zu viel miteinander vermischt, die Erzählung springt in den einzelnen Kapiteln von Person zu Person und in der Zeit, so dass der Text für mich zum Teil fast unleserlich wurde. Hier hat mir klar die Struktur gefehlt. Die Hauptfiguren waren für mich nicht richtig greifbar und auch die Nebenfiguren blieben allesamt blass. Und für meinen Geschmack hat die Autorin mit dem Lokal- und Zeitkolorit ein bisschen zu dick aufgetragen, so dass die Geschichte fast schon überladen war. Dies finde ich schade, denn grundsätzlich ist der Roman unterhaltsam und der historische Kontext bietet viel Potential. Leider blieb der Roman somit hinter meinen Erwartungen, die zu Anfang aufgrund des Klappentextes und der vorherigen Romane der Autorin sehr hoch waren, zurück.