Zwischen Winzer-Tradition und Zivilcourage

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eileen.3110 Avatar

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Brigitte Glaser beweist mit Sonnenberg erneut ihr Talent für fundierte historische Romane, die gesellschaftliche Umbrüche über greifbare Schicksale erlebbar machen.
Der Roman begleitet Johanna und Luzie Mitte der 1970er-Jahre – eine Zeit, in der das traditionelle Rollenbild der Frau zu bröckeln beginnt, während gleichzeitig die Geburtsstunde der modernen Umweltbewegung schlägt. Glaser konstruiert daraus ein vielschichtiges Beziehungsdrama: Auf der einen Seite Johanna, die durch den Tod ihres Vaters und eine Schwangerschaft schlagartig in die Pflicht genommen wird, den familieneigenen Hof am Kaiserstuhl zu führen; auf der anderen Seite die freigeistige Luzie, die nach einer Reise aus Marokko zurückkehrt.
Besonders stark ist das Buch dort, wo es das Zusammenspiel völlig unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen beim Protest gegen das geplante Atomkraftwerk Wyhl einfängt. Wenn konservative badische Winzer, engagierte Bauern und linke Freiburger Studierende nebeneinander für ihre Heimat auf die Straße gehen und Bauplätze besetzen, fängt Glaser diesen seltenen Moment von Gemeinsinn und Zivilcourage präzise ein.
Der Erzählstil ist nah an den Figuren, atmosphärisch dicht und empathisch, ohne in Kitsch abzudriften. Die Dialoge und der Tonfall der 70er-Jahre wirken stimmig. Einzig wer einen rasanten Plot sucht, wird feststellen, dass der Fokus primär auf der Entwicklung der Charaktere, der Emanzipation der Frauen und den detaillierten Einblicken in den Weinbau und die Lokalpolitik liegt.
Fazit:
Sonnenberg ist ein gelungener, Zeitgeist-starker Roman über Freundschaft, den Mut zur Veränderung und ein wichtiges Kapitel deutscher Protestkultur. Eine klare Empfehlung für Liebhaber von zeitgeschichtlicher Literatur und gut recherchierten Frauenschicksalen.