Besonders

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wortteufel Avatar

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Spielverderberin beginnt leise, fast unscheinbar, und entfaltet dann eine beklemmende, dichte Spannung, die weniger von Handlung als von unausgesprochenen Gefühlen lebt. Marie Menke schreibt präzise, körperlich, mit einer Beobachtungsgabe, die wehtut: jede Geste, jeder Blick, jedes Schweigen bekommt Gewicht. Das Wiedersehen von Sophie, Lotte und Romy ist kein nostalgisches Treffen, sondern ein emotionales Minenfeld – voller Schuld, Begehren, alter Abhängigkeiten und verdrängter Erinnerungen.
Besonders stark ist, wie Nähe und Macht kippen: Romy zieht an, stößt weg, setzt Impulse und entzieht sich wieder. Sophie bleibt zerrissen zwischen Begehren, Angst und Loyalität, während Lotte als scheinbar stille Figur eine enorme Sprengkraft entwickelt. Die Atmosphäre ist dicht, sommerlich-stickig, fast klaustrophobisch, obwohl alles draußen spielt. Der See wird zur Projektionsfläche für Gefahr, Sehnsucht und Kontrollverlust.
Das ist kein Roman, der gefallen will. Er ist unangenehm ehrlich, manchmal schmerzhaft intim und emotional hoch aufgeladen, ohne je ins Pathetische zu rutschen. Vieles bleibt offen, schwebend, beunruhigend – genau darin liegt seine Stärke. Wer Ambivalenz, psychologische Spannung und weibliche Perspektiven liebt, die sich nicht erklären oder entschuldigen, sondern einfach da sind, wird hier sehr tief hineingezogen.