Leise Spannung, große innere Unruhe
Die Leseprobe bietet eine dichte, unterschwellige Spannung, die weniger aus Handlung als aus Blicken, Pausen und unausgesprochenen Konflikten entsteht. Marie Menke schreibt präzise, ruhig und mit feinem Gespür für soziale Dynamiken, Schuld und verdrängte Nähe. Besonders das Dreiecksverhältnis zwischen Sophie, Romy und Lotte wirkt psychologisch glaubwürdig und unangenehm nah. Der Ton ist bewusst zurückgenommen und verlangt Aufmerksamkeit. Wer Tempo oder klare Auflösung erwartet, könnte das als sperrig empfinden. Gerade diese Zurückhaltung macht den Text jedoch stark: ein atmosphärischer, kluger Roman über Macht, Abhängigkeit und alte Verletzungen, der lange nachhallt.