Wenn die Vergangenheit auf dem Beifahrersitz Platz nimmt
Es fühlt sich an, als würde ich in ein Auto steigen, in dem mehr Erinnerungen mitfahren als Menschen. Diese Fahrt durch die vertraute Bauerschaft wirkt wie ein leises Zittern: Die Landschaft kennt die Erzählerin noch, aber sie erkennt sich selbst darin kaum wieder. Alles ist unscheinbar – Staub auf dem Spiegel, Enten am Straßenrand, ein alter Fiat – und doch vibrierend vor unausgesprochenen Spannungen.
Lotte erscheint wie ein Farbfleck in einem Ort, der beige geworden ist. Ihre bunten Hosen, das nervöse Lachen, die Hände, die am Jutebeutel festhalten – als wüsste sie selbst, dass jede ihrer Bewegungen beobachtet und bewertet wird. Ich liebe, wie präzise der Text solche Details einfängt. Man hört fast die Stille im Auto knacken, und das Schwitzen der Erzählerin wirkt weniger wie Hitze als wie ein inneres Alarmzeichen.
Der Dorffunk schwebt dabei wie ein unsichtbarer Chor über allem: Niemand ist wirklich weg, alle Geschichten kreisen weiter, werden flüsternd verlängert. Diese Welt wirkt eng, aber nicht grob — eher wie ein feinmaschiges Netz, das man erst bemerkt, wenn man sich darin verfängt.
Und Romy — die Abwesende — ist merkwürdigerweise die Figur mit der größten Präsenz. Alles zieht auf sie zu, wie ein Magnetfeld. Die Lüge über Lappland blitzt auf und legt einen Riss frei: Da steckt etwas Ungeklärtes, vielleicht Verletztes, und man ahnt, dass dieses Wiedersehen kein harmloses wird.
Mich beeindruckt, wie behutsam der Text Spannung aufbaut, ohne laut zu werden. Es geht weniger um Action als um Atmosphären, um Mikrogesten, um das Schweigen zwischen Sätzen. Dieser Anfang verspricht ein Erzählen, das die Oberfläche sehr genau betrachtet — und darunter nach den Dingen sucht, über die in solchen Dörfern eigentlich nicht gesprochen wird.
Möchte unbedingt weiterlesen! :0)
Lotte erscheint wie ein Farbfleck in einem Ort, der beige geworden ist. Ihre bunten Hosen, das nervöse Lachen, die Hände, die am Jutebeutel festhalten – als wüsste sie selbst, dass jede ihrer Bewegungen beobachtet und bewertet wird. Ich liebe, wie präzise der Text solche Details einfängt. Man hört fast die Stille im Auto knacken, und das Schwitzen der Erzählerin wirkt weniger wie Hitze als wie ein inneres Alarmzeichen.
Der Dorffunk schwebt dabei wie ein unsichtbarer Chor über allem: Niemand ist wirklich weg, alle Geschichten kreisen weiter, werden flüsternd verlängert. Diese Welt wirkt eng, aber nicht grob — eher wie ein feinmaschiges Netz, das man erst bemerkt, wenn man sich darin verfängt.
Und Romy — die Abwesende — ist merkwürdigerweise die Figur mit der größten Präsenz. Alles zieht auf sie zu, wie ein Magnetfeld. Die Lüge über Lappland blitzt auf und legt einen Riss frei: Da steckt etwas Ungeklärtes, vielleicht Verletztes, und man ahnt, dass dieses Wiedersehen kein harmloses wird.
Mich beeindruckt, wie behutsam der Text Spannung aufbaut, ohne laut zu werden. Es geht weniger um Action als um Atmosphären, um Mikrogesten, um das Schweigen zwischen Sätzen. Dieser Anfang verspricht ein Erzählen, das die Oberfläche sehr genau betrachtet — und darunter nach den Dingen sucht, über die in solchen Dörfern eigentlich nicht gesprochen wird.
Möchte unbedingt weiterlesen! :0)