Chancengleichheit für Fahrschülerinnen?
Worum geht es?
Marie Menke gibt Einblick ins Dorfleben in einer „Bauerschaft“, dort wo Kinder vom ersten Schultag an als Fahrschüler in den nächstgrößeren Ort pendeln, und arbeitet heraus, welche Weichen für die Zukunft der Mädchen bereits lange vor dem Abiturzeugnis gestellt wurden.
Inhalt
Als vor vier Jahren die Städterin Romy neu in Sophies und Lottes Schule im fiktiven Kaulbach kam, demonstrierte sie den Freundinnen immer wieder neu, dass sie als „Landeier“ Romys Vorsprung als Akademikertochter nie einholen werden. Romy wird nach dem Abitur Jura studieren und sieht sich bereits als erfolgreiche Rechtsanwältin. Die Icherzählerin Sophie, noch unsicher, ob sie ihre Heimatregion überhaupt verlassen will, interessiert sich für ein Lehramtsstudium. Lotte wird aus gesundheitlichen Gründen einen anderen Berufsweg einschlagen müssen. Sie ist nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie und einem Ereignis, über das die Mädchen nicht zu sprechen wagen, das Sorgenkind, das dringend die Unterstützung der Freundinnen bräuchte.
Im Wechsel zwischen zwei Zeitebenen (vor dem Abitur und nach Studienbeginn) stellen sich gleich mehrere Rätsel, die zugleich mit der Erosion der Freundschaft Schritt für Schritt entblättert werden.
Sophie, Lotte und Romy leben dort, wo der Traktor Trecker heißt und sonntags keine Busse fahren. Die Eltern der Dorfkinder kennen es nicht anders, als dass man selten Dienstleister bezahlt, sondern sich möglichst gegenseitig hilft. Um ihre Töchter bei Berufswahl, Zimmersuche und Beantragen eines Stipendiums zu unterstützen, reicht das Netz jedoch nicht. Sophie muss schmerzhaft erfahren, dass Romy, stets zuerst informiert, sich zwar auf das Netz ihrer eigenen Familie verlassen kann, nicht jedoch Sophie an ihrem Wissensvorsprung teilhaben lässt. Durch ihren Freund Milan wird Sophie allerdings gespiegelt, sie solle weniger problematisieren und sich nicht zum Opfer der Verhältnisse stilisieren.
Fazit
Das Rätseln zunächst um Lottes Probleme, später auch um Romys Abtauchen lässt den 220-Seiten-Roman so komplex wie episodenhaft wirken. In zahlreichen sensibel beobachteten Details aus der deutschen Provinz demonstriert Marie Menke, wie Bildungsaufsteiger:innen und „First Generation Students“ allein durch ihren Wohnort mit ungleichen Voraussetzungen ins Rennen um Abiturnoten und Studienplätze starten. Wer mit Schülerinnen wie Lotte und Sophie gemeinsam die Schulbank gedrückt hat, wird hier manches Ach-ja-Erlebnis haben.
4 1/2 Sterne
Marie Menke gibt Einblick ins Dorfleben in einer „Bauerschaft“, dort wo Kinder vom ersten Schultag an als Fahrschüler in den nächstgrößeren Ort pendeln, und arbeitet heraus, welche Weichen für die Zukunft der Mädchen bereits lange vor dem Abiturzeugnis gestellt wurden.
Inhalt
Als vor vier Jahren die Städterin Romy neu in Sophies und Lottes Schule im fiktiven Kaulbach kam, demonstrierte sie den Freundinnen immer wieder neu, dass sie als „Landeier“ Romys Vorsprung als Akademikertochter nie einholen werden. Romy wird nach dem Abitur Jura studieren und sieht sich bereits als erfolgreiche Rechtsanwältin. Die Icherzählerin Sophie, noch unsicher, ob sie ihre Heimatregion überhaupt verlassen will, interessiert sich für ein Lehramtsstudium. Lotte wird aus gesundheitlichen Gründen einen anderen Berufsweg einschlagen müssen. Sie ist nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie und einem Ereignis, über das die Mädchen nicht zu sprechen wagen, das Sorgenkind, das dringend die Unterstützung der Freundinnen bräuchte.
Im Wechsel zwischen zwei Zeitebenen (vor dem Abitur und nach Studienbeginn) stellen sich gleich mehrere Rätsel, die zugleich mit der Erosion der Freundschaft Schritt für Schritt entblättert werden.
Sophie, Lotte und Romy leben dort, wo der Traktor Trecker heißt und sonntags keine Busse fahren. Die Eltern der Dorfkinder kennen es nicht anders, als dass man selten Dienstleister bezahlt, sondern sich möglichst gegenseitig hilft. Um ihre Töchter bei Berufswahl, Zimmersuche und Beantragen eines Stipendiums zu unterstützen, reicht das Netz jedoch nicht. Sophie muss schmerzhaft erfahren, dass Romy, stets zuerst informiert, sich zwar auf das Netz ihrer eigenen Familie verlassen kann, nicht jedoch Sophie an ihrem Wissensvorsprung teilhaben lässt. Durch ihren Freund Milan wird Sophie allerdings gespiegelt, sie solle weniger problematisieren und sich nicht zum Opfer der Verhältnisse stilisieren.
Fazit
Das Rätseln zunächst um Lottes Probleme, später auch um Romys Abtauchen lässt den 220-Seiten-Roman so komplex wie episodenhaft wirken. In zahlreichen sensibel beobachteten Details aus der deutschen Provinz demonstriert Marie Menke, wie Bildungsaufsteiger:innen und „First Generation Students“ allein durch ihren Wohnort mit ungleichen Voraussetzungen ins Rennen um Abiturnoten und Studienplätze starten. Wer mit Schülerinnen wie Lotte und Sophie gemeinsam die Schulbank gedrückt hat, wird hier manches Ach-ja-Erlebnis haben.
4 1/2 Sterne