Culture Clash oder die Zerbrechlichkeit der Freundinnenschaft
Fröhlichkeit will nicht so richtig aufkommen in diesem Stück Jugend, das auf so wenigen Seiten zwei ganze Welten einfängt. Da ist die Großstadt, die alles symbolisiert, was das Süthland mit seinen Bauerschaften nicht bieten kann.
Sophie und Lotte kennen sich seit ihrer Kindheit, aber als Romy in der Oberstufe dazustößt, ändert sich alles. Sie ist frei, wild und hat einen anderen Horizont. Sie ist verheißungsvoll wie die Möglichkeiten der weiten Welt, aber sie ist flüchtig, unzuverlässig.
Die Gefühle der Mädchen füreinander sind kompliziert, beängstigend, wechselhaft. Da ist Klassenbewusstsein, das sich plötzlich schmerzlich in die Lebensrealität schiebt. Da sind gegenseitige Faszination und das Finden der eigenen Identität. Ins Gefüge schiebt sich Eifersucht, Ghosting und die Zerbrechlichkeit intensiver Freundschaften.
Nach vier Jahren Funkstille startet ein neuer Versuch, die alten Bande nach Köln zu verlagern. Doch die jungen Frauen bewegen sich zwischen Entwicklung und Stillstand, Zweifeln und Schuld. Alte Wunden sind wieder offen, als Romy verschwindet. Mal wieder. Denn da liegt eine Nacht in der Vergangenheit, die dunkle Schatten wirft.
Marie Menke spinnt mit knapper, präziser und wunderschöner Sprache ein feines Konstrukt aus Ungesagtem, das Bände spricht. Erwachsenwerden heißt eben auch, selbst zu entscheiden, wann wir nicht mehr mitspielen wollen. Wann es Zeit ist, mit jahrhundertealten Vorgehensweisen zu brechen, eigenen Regeln zu folgen und sich dabei vielleicht auch mal zu verlieren. Doch wer einen so starken Anker in den eigenen Werten hat wie Sophie, der wird sich immer wiederfinden.
Das ist zeitlos und allgemeingültig, immer wieder neu und doch vielen von uns vertraut. Genau hier liegt die Stärke der Spielververberin. Denn das Leben ist immer alles gleichzeitig. (Queere) Lovestory, Beziehungsgeschichte, Zwist mit den Dämonen, Vorurteilen und Erinnerungen. Der Wunsch nach Freiheit stößt immer auf den Wunsch des Ankommens.
Ein vielversprechendes Debüt mit Tiefgang, das ich unglaublich gern gelesen habe.