Drei sind einer zu viel
Sophie und Lotte sind seit dem Kindergarten befreundet und genießen ihre Kindheit auf dem Dorf.
In der Oberstufe kommt Romy aus München dazu und drängt sich zwischen Lotte und Sophie. Fortan sind Lotte und Romy beste Freundinnen und Sophie außen vor.
Als Lotte dann wegen psychischer Probleme in die Klinik muss, freunden sich Sophie und Romy an.
Sophie will unbedingt nach dem Abi mit Romy in eine WG nach Köln ziehen. Doch Romy hat andere Pläne.
Danach überschlagen sich die Ereignisse. Es kommt zu einem Brand und einem folgenschweren Unfall.
Dann verlieren sich alle drei aus dem Augen.
Vier Jahre später treffen sie sich im Dorf wieder. Romy hat Sophie etwas zu berichten. Auch das Wiedersehen hat für alle drei Folgen.
Schon das Cover empfinde ich als bedrückend. Ein Bein, das von beiden Richtungen mit Schuhen gedrückt wird. Das muss unangenehm sein. Und genauso empfinde ich das Leben aller drei jungen Frauen.
Das Bild einer Freundschaft zwischen drei Frauen ist gut umgesetzt.
Da ist nämlich meist eine zu viel.
Der Konflikt, den Sophie mit den Unterschieden zwischen Stadt- und Landbevölkerung hat, wird oft thematisiert. Sie hat regelrecht Komplexe vom Dorf zu kommen. Warum ist mir nicht ganz klar.
Ich selbst bin in Köln aufgewachsen, dann nach Nürnberg aufs Land gezogen, dann wieder in eine Kleinstadt und bin jetzt mit meiner Familie auf einem kleinen Dorf sesshaft geworden. Auch wenn es immer schwierig ist, irgendwo neu anzufangen, habe ich das Problem zwischen Städtern und Dörflern nie so empfunden. Gerade heutzutage, wo jeder mobil ist. Das war vielleicht vor 50 Jahren noch anders.
Der Bezug zu Köln hat mir aus ganz persönlichen Gründen natürlich sehr gefallen.
Gut gelungen finde ich auch wie spürbar es wird, dass falsche Entscheidungen und unausgesprochene Wahrheiten, dass ganze weitere Leben beeinflussen können.
Sophie erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und auf zwei verschiedene Zeitebenen. Einmal kurz vor und nach dem Abi und dann vier Jahre danach ab dem Wiedersehen im Dorf.
Die beiden Zeitebenen sind klar durch unterschiedliche Kapitel mit entsprechenden Zeitangaben voneinander abgrenzen und man kann eigentlich gar nicht durcheinander kommen.
Der Erzählstil ist flüssig und leicht verständlich, so dass man das Buch "in einem Rutsch" lesen kann.
Die Frauen sind mir ziemlich unsympathisch, was nichts über die Qualität des Buches aussagt. Es ist auch eine Kunst, unsympathische Figuren zu zeichnen und man muss nicht immer einen Lieblingscharakter haben.
Sophie legt eine Besessenheit Romy gegenüber an den Tag, die schwer auszuhalten ist. Und wie bereits erwähnt sind ihre Komplexe aufgrund ihrer Herkunft für mich nicht nachvollziehbar. Allen anderen in ihrem Umfeld stößt sie ständig vor den Kopf. Empfindet sich aber immer als Opfer.
Lotte ist seltsam passiv und farblos (trotz der farbenfrohen Hosen). Der Unfall scheint tiefe Narben, nicht nur auf der Haut, hinterlassen zu haben. Sie scheint kein Gefühl dafür zu haben, dass sie in Sophies Leben nicht wirklich willkommen ist und sneakt sich regelrecht hinein.
Romy ist die unsympathischste. Sie hat sich in eine Freundschaft gedrängt und das ist immer mies. Sie ist überheblich und sucht immer ihren Vorteil. Denkt dabei nie an ihre Mitmenschen. Für sie sind Freundschaften austauschbar.
Auch ich wurde in Freundschaften schon enttäuscht und wurde fallengelassen. Das ist wahrscheinlich den meisten von uns schon passiert.
Auch kann ich mich noch gut an die Zeit um das Abitur herum erinnern. Wo einfach alles zu viel war. Man hatte Träume, aber irgendwie keinen Plan.
Das führt dazu, dass mich das Buch in eine Zeit zurück führt, die ich eigentlich lieber verdränge.
Es ist heilsam irgendwann wirklich erwachsen zu werden, sich nicht mehr auf die falschen Menschen zu fixieren und seinen Platz im Leben zu finden.
Ich finde, dass das Buch deutlich macht, dass man in jungen Jahren viel zu viel Energie für falsche Beziehung verschwendet.
Gerne würde ich allen jungen Menschen sagen:"Es wird besser!"
Daher finde ich, dass das Buch vor allem etwas für junge Leserinnen ist.