Fesselnder Roman

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lena-a Avatar

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Romy aus München. Sophie und Lotte aus Aulbach im Süthland und Milan aus Berlin.

Großstadt und Dorf treffen aufeinander. Der Wunsch, Gesehen zu werden und der fehlende Mut Bedürfnisse zu kommunizieren und Kränkungen anzusprechen. Es entfaltet sich eine Geschichte über das Aufwachsen auf dem Land und in der Stadt, über zerbrechliche Freundschaften und Machtdynamiken und dem Erwachsenwerden und allen ersten Entscheidungen, die damit einhergehen.

Sophie und Lotte gehen in Aulbach zur Schule, als in der Oberstufe Romy hinzustößt, die ganz anders als die beiden ist. Sie wirkt entschlossen, mutig und wild. Sophie beschreibt sie so: „Wenn wir Romys Zuschauerinnen waren, war das ganze Süthland ihre Manege.“ Wie so oft, ist die Dreierkonstellation problematisch und schnell zeigt sich, dass es für eine der Freundinnen innerhalb der Gruppe keinen Platz gibt. Sophie schaut zu Romy auf und möchte ihr unbedingt gefallen. Erst als Lotte krankheitsbedingt nicht mehr zu Schule kommt ist für Sophie Platz an Romys Seite. Doch eine verhängnisvolle Nacht ändert alles.

Parallel zum Handlungsstrang in Aulbach, begleiten die Lesenden Sophie 4 Jahre später nach Köln, wo sie ihr Lehramtsstudium begonnen hat. Der Kontakt zwischen den Freundinnen ist eingeschlafen, bis Romy eine Whatsappgruppe erstellt und Lotte ein Treffen vorschlägt. Doch wie so oft, hängt die Vergangenheit über allem und es stellt sich die Frage: „War das alles, was geblieben war von dem, das sich damals so bedeutsam angefühlt hatte?“ Dann zieht Lotte auch noch in das freie WG-Zimmer bei Sophie ein und zwingt diese dazu, sich mit verdrängten Erinnerungen der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Außerdem ist da noch Milan, der Freund von Sophie, der in München groß geworden ist und, so wirkt es zumindest auf Sophie, mit ihrer ländlichen Herkunft gar nicht warm werden kann.

Der Roman ist nicht nur ein Roman über Freundschaften und das Erwachsenwerden, sondern ebenso über soziale Klassen und darüber, wie das eigene Aufwachsen das Leben prägt. So stellt sich beim Lesen rasch die Frage, nach welchen Kriterien wir unsere Freundschaften und Beziehungen aussuchen und, ob diese Entscheidungen wirklich zu uns passen. Gleichzeitig fordert der Roman zur Reflexion auf und führt dazu, dass man die eigene Jugend Revue passieren lässt. Menke ist es gelungen, mit einer klugen Sprache und ausgereiften Charakteren, in die man sich gut hineinversetzen kann, einen fesselnden Roman zu schreiben, den man so schnell nicht aus der Hand legt.

Klare Empfehlung!