Geduldsprobe

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tänja_radi Avatar

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Ich möchte keine Spielverderberin sein, aber ich habe mich mit dem Roman schwer getan. Dabei war ich anfangs wirklich schnell gecached. Ich mag den flüssigen Schreibstil sehr. Außerdem ist die Stimmung zwischen den Mädchen schnell bei mir angekommen und die vielen Andeutungen haben mich neugierig gemacht. Auch mochte ich zunächst, dass die Geschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit springt und die Geheimnisse nur langsam aufgedeckt werden.

Im Laufe des Romans wurde dieses langsame Entschlüsseln der Vorkommnisse zunehmend zu einer Geduldsprobe für mich. Immer wieder wird darüber gesprochen, dass es Geheimnisse gibt, aber wir erfahren nichts Auflösendes. Das passt gut zur toxischen Beziehung der drei Freundinnen, sodass es mich gleichzeitig genervt und fasziniert hat.

Gut gefallen hat mir die meiste Zeit, wie die Beziehung von Sophie zu ihrem "Liebhaber" dargestellt wird. Ich finde, damit trifft die Autorin die aktuelle Lage der feministischen jungen Frauen und der jungen Männer, die nicht ganz mitkommen, sehr genau.

Etwas irritiert hat mich, dass es die ländliche Region, die im Roman eine große Rolle spielt, fiktiv ist. Interessanter Ansatz, da dieses im Gegensatz steht zu real existierenden Großstädten. Ich hätte aus diesem Grund aber auch eine reale ländliche Region besser gefunden. Ich bin nicht der Meinung, dass alle ländlichen Regionen gleich sind, daher hätte die Verortung für mich schon einen Unterschied gemacht.

Erst im letzten Kapitel erfahren wir, was zwischen den Freundinnen vorgefallen ist. Das ist schon ein ziemlich genialer Coup der Autorin. So macht am Ende das etwas nervige Tappen im Dunkeln schon Sinn. Trotzdem hätte es mir, glaube ich, besser gefallen, hätte ich mehr Informationen zu früheren Zeitpunkten bekommen.