Lebensgefühl auf Papier gebannt
"Schon während wir die Karten auf den Tisch legten, war klar, wir würden später in unseren eigenen Betten in unterschiedlichen Zimmern einschlafen, nicht nebeneinander auf Isomatten in einem unserer Kinderzimmer liegen. [...] Die Angst vor der Zukunft würde uns nicht mehr die Sprache verschlagen [...]."
Das letzte Schuljahr, der Zeitraum zwischen Abiturprüfung und Studium- bzw. Ausbildungsbeginn ist magisch und belastend zugleich. So viele Entscheidungen müssen getroffen werden: Wo will ich studieren und was eigentlich? Und wer bin ich selbst dabei? Wie viel meiner Identität ist eigentlich Teil meiner Eltern und was bestimme ich selbst? Welche Freundschaften werden halten und welche sich neu gründen? Dieses Gefühl zwischen Aufbruch und Abschied bannt Marie Menke in ihrem starken Debüt "Spielverderberin" auf Papier.
Oft habe ich mich so gut in Sophie, die Protagonistin der Geschichte, hineinversetzen können, mich selbst an die Abiturzeit und die große Unsicherheit dahinter erinnert. Dank Marie Menke habe ich eine Zeitreise unternommen. Allein dafür hat sich das Lesen gelohnt.
Auch auf der gesellschaftlichen Ebene verhandelt Menke in ihrem Buch eine ganze Menge. Ganz im Vordergrund steht da die Frage, inwiefern der Unterschied zwischen Land- und Stadtleben uns auch heute noch prägt. Die Autorin zeigt ganz subtil den Widerspruch in unserer Wahrnehmung auf, wenn wir einerseits über Wodka im Schützenhaus die Nase rümpfen, aber Bio-Möhren im Supermarkt vom Bauern um die Ecke kaufen wollen. Wer Sophie begleitet erfährt, Landleben bedeutet definitiv weniger Geheimnisse und vielleicht auch Spießertum. In jedem Fall ist es nicht die Idylle, die man sich an der Kasse des Biosupermarktes herbeifantasieren mag. Für Sophie bedeutet das Landleben aber auch Zuhause und Zusammenhalt. Beides würde sie zwar gerne hinter sich lassen, merkt aber oft, dass der Rückhalt doch guttun kann.
Es geht in "Spielverderberin" aber auch um Psychologie, um Schulangst und um die Sorge, nicht dazuzugehören. Hier gelingt es Menke, nicht plakativ die Krankheit in den Vordergrund zu stellen. Sie erzählt zwischen den Zeilen, lässt Raum für Spekulationen des Lesers. Das verbindet die Autorin mit einer konsequenten Beschränkung der Erzählstimme auf Sophie. Wir wissen nur, was Sophie weiß - und die traut sich oft nicht bei Freundin Lotte zu fragen, was sie denn genau hat. Zu Lottes begrenzter Sicht gehört auch, das ungefilterte Wahrnehmen, dass zumindest auch für mich in dieser Lebensphase ganz typisch gewesen ist. Hier wird wenig reflektiert - auch wenn jedes zweite Kapitel eine Rückblende in das Leben vor vier Jahren darstellt. Das Einordnen überlässt Menke dem Leser - und öffnet damit den Raum für eigenen Erinnerungen.
Das Ende von "Spielverderberin" ist recht offen gehalten. Das mag nicht jedem gefallen, passt aber sehr gut zum sonstigen Erzählstil. Ein Happy End oder eine vollständige Auflösung hätten meiner Meinung nach nicht zum Rest des Textes gepasst.
"Spielverderberin" ist kein lautes Buch, dennoch spannend erzählt und mit einem tiefen Einblick in die Dynamik von Freundschaften junger Erwachsener. Definitiv eines meiner Lieblingsbücher für den Frühling.
Das letzte Schuljahr, der Zeitraum zwischen Abiturprüfung und Studium- bzw. Ausbildungsbeginn ist magisch und belastend zugleich. So viele Entscheidungen müssen getroffen werden: Wo will ich studieren und was eigentlich? Und wer bin ich selbst dabei? Wie viel meiner Identität ist eigentlich Teil meiner Eltern und was bestimme ich selbst? Welche Freundschaften werden halten und welche sich neu gründen? Dieses Gefühl zwischen Aufbruch und Abschied bannt Marie Menke in ihrem starken Debüt "Spielverderberin" auf Papier.
Oft habe ich mich so gut in Sophie, die Protagonistin der Geschichte, hineinversetzen können, mich selbst an die Abiturzeit und die große Unsicherheit dahinter erinnert. Dank Marie Menke habe ich eine Zeitreise unternommen. Allein dafür hat sich das Lesen gelohnt.
Auch auf der gesellschaftlichen Ebene verhandelt Menke in ihrem Buch eine ganze Menge. Ganz im Vordergrund steht da die Frage, inwiefern der Unterschied zwischen Land- und Stadtleben uns auch heute noch prägt. Die Autorin zeigt ganz subtil den Widerspruch in unserer Wahrnehmung auf, wenn wir einerseits über Wodka im Schützenhaus die Nase rümpfen, aber Bio-Möhren im Supermarkt vom Bauern um die Ecke kaufen wollen. Wer Sophie begleitet erfährt, Landleben bedeutet definitiv weniger Geheimnisse und vielleicht auch Spießertum. In jedem Fall ist es nicht die Idylle, die man sich an der Kasse des Biosupermarktes herbeifantasieren mag. Für Sophie bedeutet das Landleben aber auch Zuhause und Zusammenhalt. Beides würde sie zwar gerne hinter sich lassen, merkt aber oft, dass der Rückhalt doch guttun kann.
Es geht in "Spielverderberin" aber auch um Psychologie, um Schulangst und um die Sorge, nicht dazuzugehören. Hier gelingt es Menke, nicht plakativ die Krankheit in den Vordergrund zu stellen. Sie erzählt zwischen den Zeilen, lässt Raum für Spekulationen des Lesers. Das verbindet die Autorin mit einer konsequenten Beschränkung der Erzählstimme auf Sophie. Wir wissen nur, was Sophie weiß - und die traut sich oft nicht bei Freundin Lotte zu fragen, was sie denn genau hat. Zu Lottes begrenzter Sicht gehört auch, das ungefilterte Wahrnehmen, dass zumindest auch für mich in dieser Lebensphase ganz typisch gewesen ist. Hier wird wenig reflektiert - auch wenn jedes zweite Kapitel eine Rückblende in das Leben vor vier Jahren darstellt. Das Einordnen überlässt Menke dem Leser - und öffnet damit den Raum für eigenen Erinnerungen.
Das Ende von "Spielverderberin" ist recht offen gehalten. Das mag nicht jedem gefallen, passt aber sehr gut zum sonstigen Erzählstil. Ein Happy End oder eine vollständige Auflösung hätten meiner Meinung nach nicht zum Rest des Textes gepasst.
"Spielverderberin" ist kein lautes Buch, dennoch spannend erzählt und mit einem tiefen Einblick in die Dynamik von Freundschaften junger Erwachsener. Definitiv eines meiner Lieblingsbücher für den Frühling.