Sehr vielschichtig!

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mamijojale Avatar

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Spielverderberin erzählt die Geschichte von Sophie, Lotte und Romy, drei jungen Frauen, deren Freundschaft über Jahre hinweg immer wieder auf die Probe gestellt wird. Sophie und Lotte sind von Kindesbeinen an eng verbunden und wachsen gemeinsam in der kleinen Bauerschaft Aulbach auf. Romy hingegen zieht als neue Mitschülerin aus München hinzu und verändert das Gefüge der Freundschaft spürbar. Schon früh zeigen sich Eifersucht, Unsicherheiten und subtile Machtspiele, die die Beziehungen der drei komplizieren. Ein einschneidender Abend nach dem Abitur prägt sie alle nachhaltig und wirft lange Schatten auf ihre Freundschaft. Später pendelt die Geschichte zwischen Dorf und Großstadt und beleuchtet Themen wie Heimat, Zugehörigkeit und den Unterschied zwischen Stadt- und Landleben.
Besonders gelungen finde ich die feinfühlige, präzise Sprache von Marie Menke. Kleine Gesten, Blicke oder Momente des Missverstehens werden so genau beschrieben, dass die Figuren sehr lebendig wirken. Die Freundschaft der drei Mädchen erscheint dadurch authentisch und nachvollziehbar: Sie halten aneinander fest, verletzen einander unbeabsichtigt und zeigen in ihren Handlungen sowohl Nähe als auch Widersprüchlichkeit. Auch die Beschreibungen des Dorflebens und später der Großstadt sind atmosphärisch dicht und geben der Geschichte einen realistischen Rahmen.
Die Figuren selbst sind vielschichtig. Sophie etwa zeigt eine obsessive Bindung zu Romy, die gleichzeitig von Vernarrtheit, Neid und Kränkung geprägt ist. Romy wirkt selbstbewusst und unabhängig, fast wie eine Art Gegenpol, der Sophies Unsicherheiten spiegelnd verstärkt. Lotte hingegen ist die stille Konstante, gerät aber durch die Spannungen zwischen den anderen beiden ebenfalls unter Druck. Diese Dynamik zwischen den drei Freundinnen macht den Roman besonders interessant und regt dazu an, über eigene Beziehungen und Machtverhältnisse in Freundschaften nachzudenken.
Einige Aspekte empfand ich als weniger gelungen. Manche Handlungsstränge und Konflikte werden nur angerissen und wirken daher stellenweise unvollständig. Sophies Verhalten blieb mir manchmal schwer nachvollziehbar, und die wechselnden Zeitebenen über vier Jahre hinweg führten an einigen Stellen zu Verwirrung. Auch das Ende wirkt vergleichsweise abrupt, sodass es wenig Raum für emotionale Verarbeitung lässt.
Trotz dieser kleineren Schwächen ist Spielverderberin ein ruhiger, reflektierter Roman über Freundschaft, Selbstzweifel und das Erwachsenwerden. Die Geschichte lebt von authentischen Figuren, fein beobachteten zwischenmenschlichen Dynamiken und einem sensiblen Schreibstil, der kleine Nuancen und Spannungen zwischen Menschen sichtbar macht. Wer Interesse an literarischen Romanen mit psychologischer Tiefe, gut beobachteten Charakteren und einer ruhigen, nachwirkenden Atmosphäre hat, wird hier auf jeden Fall fündig.