Sind drei eine zu viel?

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Sind drei eine zu viel?

Letztendlich geht es im Roman „Spielverderberin“ von Marie Menke um die Dynamik zwischen drei jungen Frauen, die alle unterschiedliche Erwartungen an die jeweils andere haben. Sophie und Lotte waren Freundinnen von jeher. Dann schiebt sich Romy zwischen die beiden und wird Lottes beste Freundin. Als Lotte in eine psychiatrische Klinik muss, kommen sich Sophie und Romy näher, sehr nah.
Sophies Empfindungen für Romy sind obsessiv bis zum Ende. Immer wieder klingt durch, dass sie in ihr nicht nur die Freundin aus Kindertagen vermisst, sondern dass da mehr ist. Sie will mehr und gleichzeitig steckt dahinter eine Abhängigkeit, die durch ein Geheimnis entsteht und sie nicht mehr loslässt.
Die drei Protagonistinnen und ihre Handlungsweisen sind extrem. Aber das wird extrem gut gezeigt. Sophies Gefühle stehen im Mittelpunkt. Ihr zwanghaftes Schauen nach Romy, ihre Schuldgefühle, ihre Empfindungen für Lotte und auch für Milan werden eindringlich geschildert. Die Psyche der drei Teenager, die zu Frauen werden, wird hell beleuchtet. Der Druck und der Kummer, der auf jeder einzelnen lastet, wird auf den Leser übertragen und genau das empfand ich als sehr beklemmend. Diese Beklemmung von den Seiten auf seine Leser zu übertragen, finde ich herausragend.
Was sich im Mittelteil etwas zog, nimmt die Handlung zum Schluss hin richtig Fahrt auf und dann wollte auch ich unbedingt wissen, wie das Ende aussehen wird und empfand es als sehr passend. Offen, wie so viele Stellen während der Lektüre und doch aufklärend.

Unpopular Opinion:
Ich habe bewusst das generische Maskulinum in meiner Rezension verwendet. Ich fand die weiblichen Formen in diesem Roman teilweise zu bemüht. Dass nur Anwältinnen und Feuerwehrfrauen genannt werden, naja. „Leopardinnenschminke“… puh. Aber wenn man in diesem Maße gendert, dann bitte immer. Einmal „Freundinnenschaft“ für Mädels verwendet, würde voraussetzen, dass die Autorin bei diesem Begriff bleibt und dann nicht zu Freundschaft zu wechseln.

Die Handlung des Romans fand ich bemerkenswert. Deshalb blende ich meine Mini-Kritik einfach aus 😉!