Sind Drei eine zuviel?

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"Drittes Rad am Wagen" oder "Drei sind einer zuviel"? 💭
In 'Spielverderberin' zeigt Marie Menke, wie fragil Dreierfreundschaften sein können.

Sophie und Lotte sind in derselben kleinen Ortschaft aufgewachsen und seit Kindheitstagen eng befreundet. In der weiterführenden Schule kommt die aus München stammende Romy dazu - und aus dem vertrauten Zweiergespann wird ein Dreierbündnis, dessen Dynamik sich immer wieder verschiebt. Je nach Situation verändern sich Nähe, Rollen und Zugehörigkeit.

Als Lotte zeitweise schwer greifbar wird, nutzt Sophie die Gelegenheit, ihren Platz neu zu definieren, und setzt alles daran, von Romy als cool wahrgenommen zu werden. Durch die Zeitsprünge wird früh deutlich, dass etwas Einschneidendes passiert ist und Lotte Schaden davongetragen hat. Was genau geschehen ist und welche Rolle die Freundschaft dabei spielt, erschließt sich jedoch erst ganz am Ende. Das sorgt einerseits für Spannung, ließ mich andererseits aber auch gelegentlich ungeduldig werden.

Ich habe das Buch sowohl gelesen als auch gehört - beides funktioniert sehr gut. Die Sprache ist gelungen, auch wenn die Zeitsprünge nicht immer leicht einzuordnen sind. Besonders Lotte hätte mich als Figur noch mehr interessiert: Gerade bei ihr scheint so viel passiert zu sein, doch ihre Gedanken bleiben weitgehend im Verborgenen - das fand ich schade.

Mit Sophie und Romy hingegen bin ich nicht richtig warm geworden. Beide wirken auf mich eher unsympathisch, und echte freundschaftliche Verbundenheit konnte ich kaum spüren. Allerdings passt das durchaus zu den zentralen Themen des Romans: Entfremdung, Schuld, Eifersucht, die Suche nach der eigenen Rolle - und die Frage, ob Freundschaften vielleicht auch ein Ablaufdatum haben.

Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen, auch wenn mir der Zugang durch die Figuren etwas erschwert wurde. Die Autorin werde ich dennoch im Auge behalten - ich bin gespannt was noch von ihr kommt. 😃